Rechts-vor-Links-Regel

URTEILSPLATZ: Irrtum in der Innenstadt

Ulrike Derndinger

Von Ulrike Derndinger

Sa, 11. September 2021

Lahr

Jeden Morgen zur Arbeit kann ich hier als Radfahrerin was erleben. Wo vom Rewe herkommend zwischen Peter-und-Paul-Kirche und Volksbank die Schubertstraße auf die Lotzbeckstraße trifft, geht’s auf Tuchfühlung mit den Autos. Für die Autofahrer bin ich entweder Luft oder die Regel, die mir als von rechts kommend Vorfahrt gewährt, wird nur als Vorschlag gewertet. Schere ich ein, gibt’s einiges zu hören und manchmal fällt auch meine Antwort so aus, dass ich sie hier besser nicht zitiere. Erst neulich blaffte mich eine (augenscheinlich jüngere) Frau mit heruntergekurbelter Scheibe an: "So geht’s aber nicht, Fräulein!" Hätte ich mich nicht so geärgert, ich hätte fast gelacht über die altbackene Ansprache nach Art der alten Bundesrepublik. Sie wollte mir dann weismachen, dass Rechts-vor-links nur in der Innenstadt gelte. Wo die bei ihr anfängt, konnte ich leider nicht herausfinden. Der nette Polizist in der Friedrichstraße erklärte mir daraufhin, dass ich ganz richtig liege, denn hier gilt die allgemeine Regel: Wo kein Schild es anders regelt oder ein durchgezogener Bordstein die Straße abtrennt, hat rechts Vorfahrt. Immer. Egal, ob Innenstadt oder Pampa. Ich fuhr zurück, entdeckte das geparkte Auto und klemmte eine Erklärung der Regel unter den Scheibenwischer. Mit meiner Telefonnummer. Ob das Fräulein jetzt Fraus genug ist, ihren Irrtum einzugestehen?