Volleyball

VC Offenburg: Der Aufstieg ist kein Tabu mehr

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Do, 27. August 2020 um 10:47 Uhr

Volleyball

Die Volleyballerinnen des VC Offenburg setzen sich nach dem Schritt in die Drittklassigkeit für die neue Saison wieder höhere Ziele.

. Bei den Drittliga-Volleyballerinnen des VC Offenburg sind Meisterschaft und Aufstieg kein Tabuthema mehr. Ein neues, altes Trainerduo soll den Verein zurück in die 2. Bundesliga führen.

Vor knapp anderthalb Jahren sorgte der VC Offenburg für einen Knall. Die Volleyballerinnen aus der Ortenau steuerten gerade auf ihren dritten Meistertitel innerhalb von vier Jahren zu. Doch anstatt für die Beletage zu planen, verkündete der Verein, dass man sich aus der 2. Bundesliga zurückziehen wolle. Ohne eine breite Sponsorenunterstützung sei das Abenteuer im Oberhaus zu riskant. Folglich sei aber auch ein professioneller Spielbetrieb in der zweithöchsten Spielklasse nicht mehr tragbar. Der Schritt in die Drittklassigkeit war die Folge. Der Profitrainer Florian Völker und Profispielerinnen wie Pia Leweling verließen den Verein.

Unter der langjährigen Zuspielerin Richarda Zorn als Trainerin initiierten die Offenburgerinnen daraufhin einen Neuanfang in der dritten Liga. Und das extrem erfolgreich. Angeführt von einem Quintett langjähriger Zweitligaspielerinnen – Johanna Ewald, Franziska Fried, Isi Herp, Leonie Amann und Lisa Solleder – eilte das junge Zorn-Team von Sieg zu Sieg. Die jungen Spielerinnen Mariella Bouagaa, Svenja Rodenbüsch und Louisa Seib fügten sich gut ein. Zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs im März stand der VCO auf dem zweiten Tabellenplatz.

Der Erfolg hat hungrig gemacht. "Im Falle einer Meisterschaft würden wir aufsteigen, das ist mittelfristig schon das Ziel", sagt Florian Scheuer vor der zweiten Saison in der dritten Liga. Seit Jahren ist Scheuer in der Nord-West-Halle Mädchen für alles. Einst spielte der versierte Außenangreifer für das Zweitliga-Team der Offenburger und leitete dann lange Jahre als Teammanager die Geschicke des Clubs in Liga Zwei. Fortan trägt er als Trainer die Hauptverantwortung für das Drittliga-Team. Er teilt sich die Aufgabe mit Richarda Zorn, die eigentlich zurückgetreten war, aufgrund mangelnder Traineralternativen nun aber wieder an der Seitenlinie steht. Gleichzeitig wird sie dieses Jahr aber auch wieder selbst die Schuhe schnüren. In der 2. Bundesliga galt sie einst als beste Zuspielerin. Rückkehrerin Zorn ist daher der spektakulärste Neuzugang im Team der Offenburgerinnen.

Zudem nimmt auch Viviane Jones wieder für den VCO an. Sie spielte bereits zu Zweitligazeiten für die Offenburgerinnen, wagte vergangene Spielzeit dann den Sprung zu den Roten Raben Vilsbiburg. Nun ist die Libera zurück und beginnt in Baden-Baden eine Ausbildung zur Logopädin. Außerdem neu im Team ist Mittelblockerin Annika Dilzer. Sie wechselt vom TV Bühl nach Offenburg. Demgegenüber stehen die Abgänge von Noemie Freitag, Hannah Haas, Theresa Saunders und Jana Grathwol. Insgesamt dürfte der VCO damit noch einmal stärker aufgestellt sein als ohnehin schon in der vergangenen Spielzeit. Gleich sieben Spielerinnen haben Zweitligaerfahrung.

Warum aber strebt der Verein nun doch wieder in höhere Gefilde – nur ein Jahr nachdem Rückzug? "Die Mädels haben es sich verdient", sagt Trainer Scheuer und ergänzt: "Es macht super viel Spaß." Zudem sind die Kassen offenbar gut gefüllt. Bereits am Ende der vergangenen Saison betonte der Manager, dass der VCO gut gewirtschaftet habe und es gut um die Finanzen stehe.

Die Lust auf Erfolg lässt sie in der Nord-West-Halle daher erneut von der 2. Bundesliga träumen. Die Chancen dafür stehen gut. Der größte Konkurrent um den Titel dürfte der SV Sinsheim sein – ebenfalls ein Verein mit höherklassiger Vergangenheit, der einige Jahre sogar im Oberhaus schmetterte.

Offen ist trotzdem noch vieles: Zum Beispiel mit wie vielen Zuschauern die Verantwortlichen planen können? "Mit einem Abstand von 1,5-Metern und Plätzen hinterm Feld könnten wir ungefähr 100 Zuschauer unterbringen", sagt Scheuer. Da die Nord-West-Halle mehrere Ein- und Ausgänge hat, können die geforderten Abstände überall eingehalten werden. Mehrfachspieltage, wie sie der Verein aber seit Jahren in den unteren Klassen durchgeführt hatte, werden aufgrund der Pandemie diese Saison kaum möglich sein.

Seit Juni trainieren die Volleyballerinnen wieder. "Wir wollen möglichst schnell wieder auf das Niveau vom letzten Jahr zurück", sagt Zuspielerin Johanna Ewald. Gelingt das den Schmetterkünstlerinnen, ist ihnen die Rückkehr in die 2. Bundesliga durchaus zuzutrauen.