Volleyball

VC Offenburg will so hoch spielen wie möglich

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Di, 26. März 2019 um 10:00 Uhr

Volleyball

Vieles ist klar im Offenburger Frauen-Volleyball, aber es sind mit Blick auf die kommenden Saison auch noch einige grundsätzliche Fragen offen.

Der Doppelpack ist geschnürt: Nach dem ersten Frauenteam in der 2. Liga hat auch das Reserveteam in der Regionalliga die Meisterschaft geholt. Am letzten Spieltag fiel die Entscheidung im dramatischen Spitzenspiel der punktgleich führenden Teams . Der VCO II setzt sich vor rund 150 Zuschauern mit 3:2 (21:25, 25:14, 22:25, 25:18, 15:13) gegen den VfB Ulm durch, der mit den ehemalige VCO-Spielerinnen Annika Foit und Julia Steinert antrat.

Die Bedeutung des Titels
Klar ist dies: Das Regionalligateam ist im Prinzip die künftige erste Mannschaft. Ein Großteil jenes Meisterteams soll in der kommenden Saison den Kader des VCO in der 3. Liga bilden. Tanja Scheuer, Trainerin und Sportliche Leiterin im weiblichen Bereich beim VCO, ordnet die Meisterschaft ein: "Es war wichtig, dass wir Erster werden und uns den Aufstieg selber verdienen, weil wir der Überzeugung sind, dass nur der Erste den Platz in der 3. Liga verdient hat. Das war wohl auch der Unterschied zu Ulm, dass wir den Titel mehr wollten. Ich bin sehr stolz auf diese sehr junge Mannschaft."

Die Perspektive
Mit Optimismus blickt Tanja Scheuer der nahen Zukunft im Offenburger Frauen-Volleyball entgegen. "Wir sind nicht so weit weg von den unteren Mannschaften in der 2. Liga". Sie relativiert aber: "Wobei die 2. Liga in dieser Saison nicht gut ist." Die künftige 3. Liga jetzt schon einzuschätzen, fällt naturgemäß schwer. Die Sportliche Leiterin sagt: "Unsere Chancen dort sind gut bis sehr gut." Dabei weiß sie um die Möglichkeit der Entwicklung im kommenden halben Jahr bei den sehr jungen Spielerinnen, welche erfahrungsgemäß in großen Schritten erfolgt. Sie verweist darauf, dass darunter eine 14-Jährige, eine 15-Jährige sowie zahlreiche Akteurinnen zwischen 18 bis 20 Jahren sind. "Das Team wird zum Start der neuen Saison wieder etwas besser sein."

Die Resonanz
Die Frage ist, wie das sportlich verwöhnte Offenburger Publikum, das Angebot in der 3. Liga annehmen wird. Rund 150 Zuschauer fanden am Samstagnachmittag den Weg in die Nordwesthalle zum Topspiel der Regionalliga, wobei dieses in Konkurrenz zum Zweitligaspiel am Abend am gleichen Ort stand. "Wir gehen davon aus, dass die Zuschauerzahlen gar nicht so viel weniger werden", sagt Tanja Scheuer. Sie glaubt, dass die Verbindung von Zuschauern und Team auch unter neuen Vorzeichen funktionieren kann, denn: "Mit Richarda Zorn haben wir eine sehr emotionale Trainerin. Dazu kommt eine sehr junge Mannschaft, die auch sichtbar leidet und noch um jeden Punkt kämpft. Das wollen die Zuschauer sehen." Fachkenntnis spielt nach ihrer Beobachtung keine große Rolle. "Die Frage ist immer, wollen die Leute den Sport sehen? Von dieser Vorstellung habe ich mich vor langer Zeit verabschiedet", so Tanja Scheuer. "Ich schätze, 70 Prozent der Zuschauer in der Halle kennen oder verstehen die meisten Regeln gar nicht. Sie erfreuen sich aber daran, was die Mädels leisten, mit welcher Hingabe und in welcher Gemeinschaft sie das tun." Für den VCO war dies immer ein elementarer Bestandteil des Konzepts: Die Zuschauer als wichtiger Teil des Ganzen, quasi als Akteure.

Der Unterbau
Es sind aber noch einige Fragen offen, deren Beantwortung wohl Zeit und intensives Nachdenken erfordert. Da geht es auch um die Frage, will der VCO neben der 3. Liga auch die Regionalliga bespielen? Was durchaus möglich wäre. Der VCO könnte die erste Mannschaft aus der 2. in die 3. Liga stufen lassen, aber auch das Spielrecht in der Regionalliga behalten und dort mit Kräften aus der dritten Mannschaft antreten. "Wir bleiben so hoch wie möglich. Abgestiegen ist man schnell, aufsteigen ist schwieriger" so Tanja Scheuer. Wobei das zentrale Problem nicht die Zahl an Spielerinnen ist, die dafür zur Verfügung stehen müsste. Es geht eher um die strukturellen Bedingungen. Dem Verein gehen die Ehrenamtlichen aus. Außerdem fehlt ein Trainer, da Tanja Scheuer in dieser Funktion nicht mehr zur Verfügung stehen wird – abgesehen davon, dass sie noch in der U 12 und der U 13 "ein bisschen was" machen will. Eine Stelle ist auf den Volleyball-Plattformen ausgeschrieben, bislang ohne Ergebnis. "Auf dem deutschen Markt gibt es derzeit einfach keine jungen Trainer, die so eine Stelle annehmen wollen", sagt die Sportliche Leiterin. Das sei ein Phänomen, das auch bei den Stützpunkten zu beobachten sei. Diese greifen offenbar mittlerweile auch auf den europäischen Markt zu. Der VCO aber sucht eigentlich einen Trainer, der Deutsch spricht, weil die Kooperation mit den Schulen ein Teil des Profils ist. "Wir wollen den Leistungsvolleyball erhalten." Doch jetzt ist Regenerationszeit. "Wir wollen erst einmal Luft holen."