"Verstand außer Betrieb"

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Sa, 12. Oktober 2019

Denzlingen

Das A-cappella-Quintett Unduzo setzt in der Denzlinger Kulturwoche eigene Akzente.

DENZLINGEN. Ohne Instrumente stehen Cornelius Mack, Patrick Heil, Julienne Mbodjé, Julian Knörzer und Richard Leisegang als Unduzo auf der Bühne des Denzlinger Kultur- und Bürgerhauses. Doch das Quintett aus Freiburg als A-cappella-Ensemble zu charakterisieren, wäre zu kurz gegriffen. Ihr Programm ist mehr als ausgefeilter, vielstimmiger Gesang und Vokal-Rhythmik. Mit Beatboxing und der Loop-Maschine, zu deren Einsatz sie sich offen bekennen, setzen sie eigene Akzente – und erzählen mit selbst geschriebenen Songs Geschichten.

"Schweigen Silber, Reden Gold" – so lautet der Titel des aktuellen Bühnenprogramms. Er spiegelt sich in den rund zwei Stunden, die das Quintett bei der neunten Denzlinger Kulturwoche auf der Bühne steht, auf vielfältige Weise wider. Allein schon die Vorstellung, dass die Fünf geschwiegen haben könnten, statt mit ihren Stimmen zu begeistern, ist schrecklich. Die Klangbilder sind mal ausgewogen, harmonisch, fein abgestimmt, zwischen Bass, Bariton, Tenor und Mezzosopran, entwickeln aber auch akzentuierte Kontraste, es ist ein Gesang mit Ecken und Kanten. Wenn dann die Stimmen auch noch zu Soundeffekten werden wie bei ihrem Song "Astronaut", hebt das Publikum regelrecht ab zum Flug ins Weltall.

Steilvorlagen aus dem wahren Leben

Dazu passend die Songtexte: Lyrisch laden sie ein, die Segel zu setzen, denn eine neue Zeit bricht an. Sie erzählen von einer Liebe, die allein es schon wert ist, sie lieb zu haben. Daneben lassen sie sich aber auch vom Leben inspirieren, den skurrilen Steilvorlagen, die quasi auf der Straße liegen. Mit Augenzwinkern und Selbstironie blicken sie auf das Spiel der Geschlechter, insbesondere auf das Gegockel der Männer. "Gigolo" und "Superman" lassen grüßen, die dann grandios scheitern bei dem hilflosen Versuch, einen beeindruckenden Hüftschwung – "Left, right, down" – hinzubekommen. Der Hausmeister wird zum Sinnbild eines Kerls, der alles im Griff, überall Zugang und letztlich doch nichts hat. Als Zugabe wird von einigen Fans "Monika" gefordert. Eine nette Romanze mit Pointe.

Vielfach greifen die Songs aber auch Themen auf, die den Ernst des Lebens beleuchten, ohne jedoch schwer daher zu kommen. In "sprichst du afrikanisch" erzählt Julienne Mbodjé mit Schmunzeln von den dummen Fragen, die ihr als Frau mit dunklem Teint immer wieder begegnen. Sprechen wir denn europäisch, asiatisch, antarktisch? Ihre Schlussfolgerung, "Verstand außer Betrieb", ist nur konsequent. Mit Jammerland hält die Band der Gesellschaft den Spiegel vor. Und da kommt es wieder: "Schweigen Silber, Reden Gold" – unwidersprochen wollen sie das nicht so einfach hinnehmen.

Auf der Bühne spielen die fünf Miteinander, doch auch in der Interaktion mit dem Publikum sind sie ausgesprochen versiert. Ob es darum geht, Sprichwörter zu komplettieren oder auf Zuruf wie ein Schwein zu grunzen, wie Düsenjets zu zischen oder wie die Feuerwehrsirene zu heulen – beim akustischen Experiment sind die Besucher voll dabei, und selbst ein paar Zeilen aus dem Beatles-Songbook haben sie spontan parat. So fließt der Abend auf poppig leichter Melodienwelle dahin, ohne Tiefgang vermissen zu lassen, und dies nicht zuletzt, weil die Fünf sich nicht nur mit ihren Stimmen, sondern allem, was sie haben, einbringen. Es könnte ewig so weiter gehen, doch zum Finale setzen die Fünf dann noch einmal einen ganz eigenen, ausdrucksstarken Akzent: Am Bühnenrand sitzend singen sie, ohne Mikrofon, die Romanze vom Clown mit Liebeskummer. Einfühlsam, traurig, herzergreifend – bedächtiger könnte das Publikum nicht ins Dunkel der Nacht verabschiedet werden.