Von Feen und heulenden Wölfen

Nina Herrmann

Von Nina Herrmann

Fr, 28. Februar 2020

Kirchzarten

Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs in Kirchzarten.

HOCHSCHWARZWALD. Zehn Schülerinnen und Schüler treten in der Bücherstube in Kirchzarten im Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs gegeneinander an. Mucksmäuschenstill ist es, als der erste Teilnehmer zum Lesepult geht und sein Buch aufschlägt.

Seit 2015 richtet die Bücherstube in Kirchzarten den Vorlesewettbewerb aus. "Klein und kuschelig" nennt Buchhändlerin Astrid Seizinger den Veranstaltungsort, an dem zwischen Büchertischen und Regalen Teilnehmer, Jury und Zuhörer Platz finden. Aber das sei gut, fügt sie an, weil man dann nicht so laut lesen müsse.

Zum 61. Mal veranstaltet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels den Vorlesewettbewerb. Bundesweit nehmen rund 7000 Schüler und Schülerinnen der sechsten Klassen an den Regionalentscheiden teil.

Die Teilnehmer in Kirchzarten kommen aus dem östlichen Kreisgebiet. Nachdem sie den Vorlesewettbewerb in ihrer jeweiligen Schule gewonnen haben, lesen sie nun auf der Landkreisebene um die Wette.

Die kritischen Ohren der dreiköpfigen Jury gehören in diesem Jahr Lehrerin Christine Hahn von der Feyel-Grundschule in Freiburg-Ebnet, dem Kirchzartener Bürgermeister Andreas Hall und dem Rechtsanwalt Thilo Schülke. Ihre Aufgabe besteht darin, die Vorleser nach den Kriterien Lesetechnik und Interpretation sowie Textstellenauswahl beim Wahltext zu bewerten.

In der ersten Runde müssen die Teilnehmer jeweils zwei Minuten lang aus einem Buch ihrer Wahl lesen. Dafür wählten die Schüler größtenteils Jugendbücher wie "Das Buch der Zeit", ein Fantasy-Jugendbuch von Guillaume Prévost, oder "Mein Leben voller Feenstaub und Konfetti" von Emma Flint.

Die elfjährige Franziska vom Schulverbund Löffingen liest einen Ausschnitt aus "Der kleine Hobbit" von J.R.R. Tolkien vor. Lesen sei ihr Hobby, sagt sie, vor allem Fantasy. "Ich bin kein Mädchen, das kitschige Liebesbücher liest", stellt sie klar. Stattdessen mag sie Bücher und Filme, in denen gekämpft wird. Ein bisschen aufgeregt sei sie vor dem Wettbewerb schon gewesen, gibt sie zu, deshalb habe sie auch während der Fahrt im Auto noch geübt. Aber die Aufregung hört man ihr beim Vorlesen nicht mehr an. Deutlich und energisch imitiert sie die Stimmen von Gandalf und den Hobbits.

Nach einer kurzen Pause folgt die zweite Runde, in der die Kinder drei Minuten lang einen Fremdtext vorlesen müssen. Dafür hat das Team der Bücherstube den Jugendroman "Das Internat der bösen Tiere" von Gina Mayer ausgewählt. Bei dieser Entscheidung haben Seizinger und ihre Kolleginnen vor allem darauf geachtet, dass keine Fremdwörter oder fremdsprachige Namen vorkommen.

Nach einer kurzen Beratung verkündet die Jury dann ihr mit Spannung erwartetes Urteil. Bürgermeister Andreas Hall erklärt als Sprecher der Jury, wie schwer ihnen die Entscheidung gefallen sei. "Jedes Jahr hoffen wir, dass es einfacher wird, aber es wird nicht einfacher", sagt er. Zum Sieger kürt die Jury den zwölfjährigen Samuel Adam aus Stegen, der es mit seinem Können geschafft hat, alle drei zu überzeugen.