VON HERZEN: Auf einmal zu dritt

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Sa, 10. April 2021

Kolumnen (Sonstige)

Kann man sich als Paar vorstellen, wie es sein wird, wenn man gemeinsam ein Baby hat? Eher nicht, auch wenn man ahnt, dass das eigene Leben auf den Kopf gestellt wird. "Das kommt auf die eigene Krisenfähigkeit an – und auf das Baby", sagt Dorothea Fritsch von der Freiburger Psychosozialen Beratungsstelle in Familienkrisen. Problematisch werde diese erste schöne, aber auch anstrengende Zeit vor allem für Paare, die noch nicht lange zusammen seien – und sich daher nicht gut kennen und einschätzen könnten. Oder Paare, bei denen einer seine Heimat für die Beziehung verlassen habe und es gegenseitige Abhängigkeiten gebe. Helfen kann Fritsch zufolge, sich nicht zu stolz zu sein und das Baby auch mal der Oma oder einer Babysitterin anzuvertrauen: "Wer sich zu sehr aufs Baby fixiert, droht sich selbst und die Beziehung aus dem Blick zu verlieren." Es sei auch wichtig, den Stress nicht auf die Beziehung und den Partner zu projizieren. Schlafentzug sei belastend und bekanntermaßen eine Foltermethode: "Es hilft, sich klarzumachen, dass die eigene Reizschwelle in dieser Phase niedrig angesiedelt ist", sagt Dorothea Fritsch. Man könne als Paar Signale oder gar Codewörter vereinbaren für Momente, in denen die Nerven blank liegen – und man dringend eine Ablösung beim Schuckeln brauche.