VON HERZEN: Corona als Beziehungsprobe

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Sa, 09. Januar 2021

Kolumnen (Sonstige)

Ein Ende des Lockdown ist noch nicht in Sicht, und das zehrt an den Nerven. An den eigenen und – wenn man liiert ist – an denen des Partners oder der Partnerin. Bei manchen Paaren ist die Corona-Krise ohnehin ein Minenfeld. Nämlich weil der eine Teil besorgt und vorsichtig auf die Pandemie reagiert, und der andere Teil eher sorglos oder gar corona-skeptisch bis verharmlosend. "Das stellt sicherlich eine Herausforderung für die Beziehung dar und kann in eine Zerreißprobe münden", sagt die Freiburger Psychotherapeutin Christel Strasser. In solch einem Fall empfiehlt sie demjenigen, der eher ängstlich ist, das Gespräch zu suchen, die eigenen Sorgen darzulegen und zu begründen sowie um Rücksichtnahme zu bitten, "auch dann, wenn man nicht der gleichen Meinung ist". Der besorgte Partner sei dabei sicher in der schwächeren Position. "Hier zeigt sich, wie viel jemand bereit ist, für die Beziehung zu tun, was ein wichtiges Qualitätsmerkmal für die Beziehung darstellt." Natürlich sollte sich, so Strasser, niemand verbiegen müssen um der Beziehung willen, aber temporär sei das zumutbar: "Die Pandemie ist ja hoffentlich endlich." Wie viel Toleranz man aufbringen sollte? "So viel, bis jemand durch das Verhalten möglicherweise gefährdet wird; seien es Eltern, Großeltern, KollegInnen oder natürlich man selbst."