VON HERZEN: Die Liebe darf bleiben

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Sa, 04. Juli 2020

Kolumnen (Sonstige)

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, versinken viele Trauernde in einem aufwühlenden Wirrwarr an Gefühlen. Wohin mit der Liebe nach dem Tod? Ganz wichtig ist es Anna Tonzer, die in der Hospizgruppe Freiburg als Trauerbegleiterin arbeitet, dass man die Liebe nicht loslassen muss. "Sie darf bleiben." Vielleicht verändere sie sich, aber in den neuen Trauertheorien – etwa von Chris Paul oder Roland Kachler – spiele das Verbundenbleiben mit dem Verstorbenen eine zentrale Rolle. Anfangs suchen Menschen diese Verbundenheit vielleicht mehr im Äußeren. Sei es, dass sie eine Kerze anzünden, ein Bild aufstellen oder einen kleinen Gegenstand des Verstorbenen bei sich tragen. "Mit der Zeit wenden sie sich intensiver der inneren Verbundenheit zu." Diese kann durch Erinnerungen und Erzählungen entstehen. "Manche berichten auch von Träumen oder sehen Zeichen." Die Sehnsucht müsse man oft zwar einfach aushalten. Aber auch sie stellt Verbindung her und kann vielleicht zu einer Kraftquelle bei der Suche nach einem neuen Platz für den Verstorbenen werden. Mitunter werde er zum Begleiter, zum inneren Ratgeber. Wenn sich eine neue innere Verbindung entwickelt – "dann kann das Sicherheit geben und eines Tages vielleicht Freiräume schaffen". Und der Verstorbene könne in der neuen "Lebendigkeit des Lebens" dabeibleiben.