VON HERZEN: Liebeskummer zulassen

Michael Heilemann

Von Michael Heilemann

Sa, 13. Februar 2021

Kolumnen (Sonstige)

Morgen ist Valentinstag, der Tag der Liebenden. All jenen, die unglücklich verliebt sind, dürfte das einen Stich ins Herz versetzen. Sie sind traurig und wütend, fühlen sich abgelehnt, oft zerfressen von Selbstzweifeln. Diese Gemengelage kann selbstzerstörerisch werden, vielleicht sogar die Lust am Leben verleiden. "Das Allerwichtigste ist, mit diesen Gefühlen nicht alleine zu bleiben," sagt Katharina Böhmer-Kastens, Sexualpädagogin bei Profamilia in Freiburg, "denn Gefühle, die in einem hocken bleiben, richten meistens Schaden an." Ein bisschen Ablenkung beim Spazieren gehen, Tanzen oder Musikhören tut gut, nur sollte das Ablenken nicht so weit gehen, dass man die Gefühle beiseiteschiebt. Also auf den Tisch mit ihnen, sie anschauen. Und dann zu sich sagen: Ah, da bist du ja, Trauer, das ist okay, du darfst da sein, bis du von allen Seiten betrachtet worden bist. Am besten ist es, mit der besten Freundin oder dem besten Freund zu reden. Wer auch immer mit der/dem unglücklich Verliebten ins Gespräch kommt (die Eltern werden es bei Heranwachsenden nur selten sein), sollte auf gutgemeinte Ratschläge verzichten. "Gefühle haben ihr eigenes Maß und ihr eigenes Tempo, sie sind da, so lange sie da sind", so Katharina Böhmer-Kastens, "und gehen wieder weg, wenn sie genug durchfühlt worden sind."