VON HERZEN: Pornos vor dem ersten Kuss

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Sa, 25. Juli 2020

Kolumnen (Sonstige)

Der erste Kuss ist etwas, an das man sich noch lange erinnert. Weil man plötzlich eine neue Welt entdeckt, neue Gefühle und Gedanken. Umso verstörender klingt es, dass Jugendliche häufig schon vor dem ersten Kuss Pornofilme anschauen, wie die Freiburger Sexualtherapeutin Andrea Kuhnert bestätigt. Auch wenn die Kinder durch die Schule ziemlich gut aufgeklärt seien, sehen sie dort Dinge, die sie nur schwer einordnen könnten. Als Eltern könne man, sollte man das herausfinden, schon einmal grundsätzlich über die Risiken sprechen. Wichtig sei aber auch, dass Berührung und Sexualität im Alltag von Familien einen normalen Stellenwert erhalte, so komme sie aus der Schmuddelecke. Es normalisiert durchaus, so Kuhnert, wenn die Eltern sich selbst um ein ausgewogenes Sexualleben kümmern. Wenn Kinder zudem selbst in den frühen Jahren respektvolle körperliche Berührung erfahren haben, sei dies ein Schutz vor Pornosucht und Abhängigkeit. "Ich würde zudem dringend dafür plädieren, Kinder rauszulassen", sagt Andrea Kuhnert. Wenn ein Kind mit 14 oder 15 Jahren auf der Straße seine erste Liebe küsst, "dann muss es nicht ins Internet". Wegen zu viel Pornokonsum litten viele junge Männer unter Versagensängsten und Erektionsstörungen, weil sie der echte sexuelle Kontakt mit einer Frau komplett überfordere.