VON HERZEN: Sozial kompetent ohne Geschwister

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Sa, 25. September 2021

Liebe & Familie

Das Vorurteil hält sich hartnäckig: Einzelkinder sind verwöhnt und können nicht mal anständig streiten, weil ihnen die Geschwister als Sparringspartner fehlen. "Sicherlich hat es einen Einfluss, wenn man als Einzelkind aufwächst", sagt Christel Strasser, Psychotherapeutin in Freiburg. Für die Prägung der sozialen Kompetenz sei dies jedoch nicht das einzige oder gar das entscheidende Kriterium: "Wenn das Kind früh den Umgang mit anderen Kindern lernt, wird sich kaum ein Unterschied in Kindergarten, Schule und im Erwachsenenalter zeigen." Mit Geschwistern aufzuwachsen könne auch eine schwierige Aufgabe sein, oft gebe es Streit und Eifersucht, wie bereits die Geschichte von Kain und Abel lehre. Auf materieller Ebene hätten Einzelkinder sogar einen Vorteil, gerade in Familien mit niedrigem Einkommen. Es mache schließlich einen Unterschied, ob für ein oder mehrere Kinder die notwendigen Anschaffungen erworben werden müssten. Um ihr Einzelkind gut sozial einzubetten, sollten Eltern dafür sorgen, dass ihre Kinder möglichst oft Spielgefährten finden. Kontakte zu anderen Eltern könne man schon in Schwangerschaftskursen knüpfen, hilfreich seien auch Kinderbüros, die Anschluss vermitteln könnten. "Der Kontakt zu anderen Kindern ist sehr bedeutsam, denn Kinder interessieren sich zuallererst für Kinder."