VON HERZEN: Verliebtsein im Verborgenen

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Sa, 06. Juni 2020

Kolumnen (Sonstige)

Anfangs erinnert es einen vielleicht noch ganz amüsant an die eigene Teeniezeit, wenn man sich dabei ertappt, bei der Arbeit ständig zu gucken, ob ER guckt. Sowas kann den drögen Alltag ungemein beleben. Doch was, wenn aus dem Hauch eines Flirts mehr wird und nicht wieder weggeht? Kann unerfüllte Liebe krank machen? Allgemein lässt sich das nicht beantworten, meint Psychologin Dorothea Fritsch. Schließlich gebe es ja ganz verschiedene Formen und Gründe für Liebeskummer. "Treffe ich auf Desinteresse oder Ablehnung, kann ich das auf mich selbst beziehen und sehr gekränkt sein", sagt sie. Vielleicht aber wolle sich der andere nicht auf einen einlassen, weil er in einer festen Beziehung lebt, die er nicht gefährden will. "Oder ich lebe mein Verliebtsein eher im Verborgenen, in der Phantasie, so dass der andere sie nicht mal bemerkt?" Krankheitsauslösend im Sinne einer Depression oder auch einer Schmerzstörung könnten freilich unterdrückte, nicht gelebte (Liebes-) Gefühle oder Bedürfnisse durchaus sein. Mit diesen Gefühlen sollte niemand dauerhaft alleine bleiben, sondern therapeutische Hilfe suchen. Denn: "Welche Konsequenzen ich dann daraus für mein Leben ziehe, ist in der Regel keine leichte, sondern für mich und auch für andere oft folgenreiche Entscheidung", sagt Dorothea Fritsch.