VON HERZEN: Wenn ein Part depressiv ist

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Sa, 06. März 2021

Kolumnen (Sonstige)

Erst nehmen negative Gedanken überhand, irgendwann kommt man kaum mehr aus dem Bett: Für eine Beziehung kann es sehr belastend sein, wenn ein Part psychisch erkrankt. Umso wichtiger ist es nach Ansicht von Cathrine Schlecht-Russell, Psychotherapeutin in Freiburg, offen mit dem Thema umzugehen – sich über die Krankheit gut zu informieren und Hilfe zu holen. "Da es immer noch zu viele falsche Assoziationen und Stereotypen über psychische Krankheiten wie Depressionen gibt, ist Aufklärung das A und O." Wie verhält sich der gesunde Part? Verständnisvoll und abwartend? Dem Gegenüber Zeit zu geben, sei sicher sinnvoll. Sollte der- oder diejenige die Erkrankung jedoch nicht akzeptieren können und sich keine Hilfe holen, ist, so Schlecht-Russell, irgendwann Druck erlaubt, im Sinne von: "Ich kann das nicht mehr lange mittragen." Vor allem bei einem Suchtproblem würden Angehörige das häufig zu lange mittragen. Sich abzugrenzen sei eine große Herausforderung, genauso wie sich klarzumachen, dass man allein den Partner nicht retten könne. Es gibt Gruppen für Angehörige von psychisch Erkrankten, "das hilft vielen sehr", so Cathrine Schlecht-Russell. Wenn es einem Paar gelinge, mit der psychischen Krankheit eines Parts gut umzugehen, offen miteinander zu reden, "kann das eine Beziehung sogar festigen und vertiefen".