Vor dem Endspurt

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 04. April 2021

EHC Freiburg

Eishockey-Zweitligist EHC Freiburg hat sich für die Playoffs viel vorgenommen.

Mit dem Auswärtsdoppelspieltag gegen den EC Bad Nauheim beginnen kommende Woche für Eishockey-Zeitligist EHC Freiburg die letzten vier Spiele der Hauptrunde. Die Qualifikation für die Playoffs haben die Wölfe bereits in der Tasche. Dafür haben sie sich viel vorgenommen. Woher kommt das Selbstvertrauen?

Simon Danner ist keiner, der auf dem Eis einen Schönheitspreis gewinnt. Der Kapitän des EHC Freiburg kommt nicht feenhaft daher, sondern mit Power und Einsatz: "Man würde mich wohl einen ehrlichen Arbeiter auf dem Eis nennen", scherzt der gut aufgelegte 34-jährige Mittelstürmer der Wölfe am Mittwoch. Die Sonne scheint, die Einheiten für den Tag sind absolviert, Danner hat gut lachen.

Auch weil es derzeit für den Kapitän und seine Mannschaft hervorragend läuft. Am Jahresanfang gewann der EHC Freiburg neun Spiele in Serie, zuletzt siegten und verloren die Wölfe im Wechsel. Durch einen Leistungssprung nach einem schwierigen Start hat sich der EHC oben festgesetzt. Und schielt auf den zweiten Rang. Einzig der Tabellenführer EC Kassel scheint derzeit unerreichbar.

Für etwas Unruhe sorgte vor einem Monat nur die Nachricht, dass Erfolgstrainer Peter Russell das Team zum Saisonende verlassen wird. Aber auch davon haben sich die Kufencracks nicht aus dem Konzept bringen lassen. "Es ist sogar gut, dass wir zuletzt auch mal wieder verloren und die Grenzen aufgezeigt bekommen haben. Da weiß man wieder, dass man sich jeden Sieg erarbeiten muss", sagt Danner. Wölfe-Vorsitzender Werner Karlin lobt: "Trotz einigem Verletzungspech zu Saisonbeginn hat sich die Mannschaft ganz oben festgesetzt, sogar der 6. Platz ist schon sicher."
Im Wesentlichen gibt es zwei Gründe für den Höhenflug. Zum einen der hochgelobte Trainer: "Er hat dem Team eine ganz klare Struktur verpasst, besonders in der Defensive ist da für viele Gegner nur schwer ein Durchkommen", findet Karlin. Zum anderen wäre da das hochklassige Personal. "So viele Jungs haben noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht", betont der Kapitän. Offensiv tat sich zuletzt immer wieder Georgiy Saakyan hervor. Der 20-jährige Kraftprotz glänzt im Überzahlspiel in der ersten Reihe, spielt aber auch stabil im 5-5 und macht die personellen Verluste in der Unterzahl wett. "Er hat sich sehr gesteigert", sagt Danner.

Ergänzt wird er von gleich mehreren Offensivsäulen: Um den Deutschen Chris Billich und den Kanadier Scott Allen ist eine starke Achse entstanden. Auch Kapitän Danner zählt mal wieder zu den Leistungsträgern. Der überragende Akteur aber hieß zuletzt immer wieder Andreé Hult: "Er spielt eine großartige Saison", findet Werner Karlin. Dabei hatten die Wölfe lange gar nicht vor, den Schweden zu verpflichten. Eigentlich hatten sie mit ihrem letztjährigen Goalgetter Luke Pither bereits einen Topmann fest eingeplant. Als der aber aufgrund der ungewissen Pandemielage im Herbst in der kanadischen Heimat blieb, mussten die Wölfe kurzfristig Ersatz finden.

Der 33-jährige Stürmer kam mit der Erfahrung von mehreren Profisaisons in Russland und Schweden. In Deutschland spielte der Stürmer bereits für Erstligist Schwenningen. Nun begeistert er seit Herbst beim EHC. "Er ist Vorbereiter und Vollstrecker zugleich und dazu als Mensch pflegeleicht und mannschaftsdienlich", schwärmt Karlin.
Dass die Klasse des EHC aber nicht nur auf den erfahrenen Recken beruht, beweisen derzeit Peter Spornberger und Enrico Salvarani: Der 22-jährige Verteidiger Spornberger sammelt diese Saison viel Einsatzzeit. Der ebenso alte Torhüter Salvarani hielt zuletzt derart zuverlässig, dass die Abwesenheit des verletzten Stammtorhüters Ben Meisner nicht schmerzte. Meisner, der beste Torhüter der Vorsaison wohlgemerkt.
Bei all der Klasse verwundert es kaum, dass sich das Team für die Playoffs viel vorgenommen hat. "Sie möchten ganz weit nach vorne", sagt Karlin und fügt an: "Das ist nicht hochnäsig, sondern gesunder Ehrgeiz." Ganz so viel lässt sich Kapitän Danner wiederum nicht entlocken. Er sagt: "Wir wollen soweit wie möglich kommen. Aber ich muss ehrlich sein. Es wäre bitter, wenn wir in der ersten Runde rausfliegen."