WALD UND WIESE

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 25. Juni 2020

Müllheim

Wunderschöner Vogel

Die Wälder und Wiesen vor der eigenen Haustür bewusster erkunden – das ist einer der Effekte, die die Corona-Krise mit sich brachte. Wenn man nicht mehr verreisen darf, dann entdeckt man Altbekanntes oder nie Wahrgenommenes ganz neu. Eine kleine Serie soll Aufschluss darüber geben, was sich derzeit alles in der Natur beobachten lässt. Heute: der Pirol.

Seit Anfang Mai ist er auch wieder hier im Markgräflerland, der wunderschöne, zitronengelbe Pirol. Man hört weithin seinen unverkennbaren Flötenruf, muss aber meist ein gute Portion Geduld aufbringen, um ihn dann, oft auch nur fliegend, sehen zu können. Rund um Müllheim sind Pirole eine Selbstverständlichkeit, wenn auch sehr heimlich, im Norden und Westen Deutschlands dagegen ausgesprochen rar. "Und in der Mitte fehlt er völlig, von daher können wir uns hier glücklich schätzen", erklärt Rainer Stoll vom Nabu Nördliches Markgräflerland, der in Heitersheim auch das besondere Reisebüro für Vogelbeobachter, Birdingtours, leitet.

Besonders am Rheinufer sollte man auf die auffallenden "Didlioh"-Rufe achten. "Schauen Sie besonders hoch oben in den Bäumen, wenn Sie ihn gehört haben", empfiehlt Stoll. Der Pirol lebt hauptsächlich von Insekten, selten frisst er auch mal Kirschen. Ende Mai fängt er an zu brüten und nach etwa 18 Tagen schlüpfen die Küken, nach weiteren zwei bis drei Wochen sind die Jungen flügge. Im August ist der Pirol dann auch schon wieder aus dem Markgräflerland verschwunden, zurück auf dem langen Weg nach Afrika.

Zur Zeit leben nur noch zwischen 40 000 und 90 000 Brutpaare in Deutschland und "damit ist der schöne Vogel in die Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Vögel gerutscht", erklärt der Vogelexperte Stoll. Wie für viele Vögel gilt der Verlust des Lebensraumes, der Biozideinsatz in Brut-, Rast- und Überwinterungsgebieten und die illegale Jagd als größte Bedrohungen.