Rund 1000 Pflegebedürftige versorgt

Gabriele Zahn

Von Gabriele Zahn

Sa, 15. Juni 2019

Waldkirch

Kirchliche Sozialstation St. Elisabeth wählte neuen Vorstand / Satzungsentwurf vom Ordinariat abgelehnt / Überschuss erzielt.

WALDKIRCH. Die Kirchliche Sozialstation St. Elisabeth war im vergangenen Jahr wieder durchaus erfolgreich und konnte einen fünfstelligen Bilanzgewinn den Rücklagen zuführen. Hansjörg Kury, der nach 22 Jahren als Vorsitzender aus dem Vorstand ausschied, konnte zu seinem Bedauern die Umstrukturierung der Leitungsstruktur nicht abschließen.

"Wir haben ein ereignisreiches Jahr hinter uns, in dem wir einiges in die Wege leiten konnten", eröffnete Vorsitzender Hansjörg Kury die Hauptversammlung, es wurde eine neue Leitungsstruktur von Ehrenamtlichen zu Hauptamtlichen vorbereitet. Dies habe sich als langwieriges Projekt dargestellt. Der Wunsch aller Träger sei die Weiterführung als eingetragener Verein. Der Entwurf für die neue Satzung wurde im Oktober beim Ordinariat eingereicht. Wegen rechtlicher Bedenken seitens des Ordinariats sei die neue Satzung nicht genehmigungsfähig. Die Änderungswünsche seien erst Mitte April bei der Sozialstation eingegangen. Die ökumenische Ausrichtung der Sozialstation St. Elisabeth Waldkirch fand dabei kaum Berücksichtigung. Deshalb gelte die bisherige Satzung weiter. Des Weiteren wurde ein Kooperationsvertrag mit dem St. Nikolai-Stift für das ambulant betreute Wohnen ausgehandelt und erfolgreich abgeschlossen.

Die Zahlen zeigen, dass die Sozialstation weiter wachse, sagte Geschäftsführerin Petra Spaniol-Höfner. Sie ist zuversichtlich, dass das Satzungsproblem gelöst werden könne. Die meisten der Pflegebedürftigen begleite die Sozialstation über lange Zeiträume. Ein Patient wird seit 26 Jahren betreut, eine Patientin wurde über 21 Jahren betreut, berichtete Pflegedienstleiterin Jolante Reis. Dies zeige, dass Pflegebedürftige und Angehörige mit den Leistungen der Sozialstation zufrieden seien. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Patienten um 14 Prozent gestiegen. Mittlerweile werden mehr als 1000 Pflegebedürftige versorgt. Dafür seien auch mehr Hausbesuche zu erbringen. Trotzdem habe sich die Zahl der gefahrenen Kilometer reduziert, weil die Touren besser geplant wurden. Dreiviertel der Patienten leben in Waldkirch, die restlichen in Gutach/Bleibach, Simonswald und Wildgutach. Mit dem Zuwachs an Patienten sei auch das Pflegeteam um drei Vollzeitstellen gewachsen.

Zum Team der Sozialstation gehören auch 44 Ehrenamtliche, die hilfebedürftige Menschen regelmäßig besuchen, um deren Angehörige zu entlasten. Weitere Bereiche seien die Familienpflege und die Beratungseinsätze, bei denen jeweils auch die Nachfrage gestiegen war. Darüber hinaus bietet die Sozialstation Schulungen im häuslichen Umfeld an, um die Angehörigen in der Pflege zu stärken.

Im Vorjahr wurden einige Vorgaben zum Datenschutz umgesetzt, auch die Digitalisierung der Arbeitsabläufe schreitet voran, hier vor allem in der internen Prozesssteuerung und der Tourplanung. Das Kompetenzzentrum Demenz der Sozialstation ist Teil des Netzwerkes Demenz, an dem zahlreiche andere Institutionen und Vereine aus Waldkirch beteiligt sind. Regelmäßige Treffen werden von der Stadt Waldkirch organisiert. Diskutiert wird, wie Waldkirch demenzfreundlicher gestaltet werden kann.

2017 eröffnete der St. Nikolai-Spitalfond die erste Wohngemeinschaft im Elztal. Die Sozialstation versorgt dort sieben Bewohner. Zusammen mit dem St.-Nikolai-Alltagsbegleiter wird den Bewohnern ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Seit Januar vergangenen Jahres wird in der Gutacher Unterkirche einmal pro Monat ein Seniorencafé betrieben, das der älteren Bevölkerung interessante Themen bietet. Zwischen 15 und 30 Besucher kommen regelmäßig. Finanziert wird das Seniorencafé durch Spenden.

Aus wirtschaftlicher Sicht war 2018 für die Sozialstation ein erfolgreiches Jahr mit einem Gewinn von 57 000 Euro, die den Rücklagen zugeführt werden.

Pfarrer Thomas Braunstein war "platt, wie gut die Sozialstation arbeitet". Er habe bisher nur Sozialstationen kennen gelernt, die geringe Rücklagen vorweisen können. Auf seine Empfehlung hin wurde der Vorstand einstimmig entlastet.

Neuwahlen: Hansjörg Kury, Hermann Baumer und Bernd Reinbold stellten sich nicht mehr für den Vorstand zur Verfügung. Frank Heitmeyer als Vorsitzender, Therese Wagner und Ralf Zickgraf als stellvertretende Vorsitzende wurden gewählt und werden die Umstrukturierung der Leitungsstruktur fortsetzen. Ziel ist ein hauptamtlicher geschäftsführender Vorstand und der bisherige ehrenamtliche Vorstand als Aufsichtsrat.

Kury dankte allen, die ihn während seiner 22 Jahre bei der Arbeit als erster Vorsitzender unterstützten. Dadurch sei es möglich gewesen, die Sozialstation so gut zu entwickeln. Alle Anwesenden brachten Kury Standing Ovations entgegen. Nach der Hauptversammlung wurden Kury, Baumer und Reinbold geehrt; Kury wurde dabei mit der Landesehrennadel ausgezeichnet (die BZ berichtete).