Verpuffung

Spraydosen-Explosion sprengt Windschutzscheibe

Juliane Schlichter

Von Juliane Schlichter

Fr, 15. November 2019 um 20:30 Uhr

Waldshut-Tiengen

Es war eine Verkettung unglücklicher Umstände, die auf dem Parkplatz des Obi-Baumarkts im Waldshut-Tiengener Gewerbepark Hochrhein zu einer Verpuffung in einem Auto geführt hat.

Dabei wurde der 49-jährige Fahrer schwer verletzt. Ein unbeteiligter Passant wäre um ein Haar von einer Windschutzscheibe getroffen worden. Was war genau passiert? Der Autofahrer hatte sich zur Mittagszeit in dem Geschäft einen Spray gekauft, mit dem er anschließend noch auf dem Parkplatz das Innere seines Fords reinigte. Danach legte er die Spraydose in den Kofferraum. Vermutlich sei das Ventil des sogenannten Cockpitsprays nicht richtig geschlossen gewesen, gibt die Polizei als mögliche Ursache für die spätere Verpuffung an. Dadurch konnte sich der feine Sprühnebel ungehindert im Auto ausbreiten. Durch das Anzünden einer Zigarette kam es zur Verpuffung.

Schwere Verbrennungen

Die verheerenden Folgen des Vorfalls: Das Gas, das sich im Wageninneren noch nicht ganz verflüchtigt hatte, verpuffte, die Windschutzscheibe wurde aus dem Rahmen gedrückt, der Autofahrer erlitt schwere Verbrennungen, vor allem im Gesicht und an der Kopfhaut, teilt Polizeisprecher Mathias Albicker auf Nachfrage mit. Derzeit befinde sich der Verletzte im Klinikum Hochrhein in Waldshut.

Timo Hestler ist stellvertretender Amtsleiter der Feuerwehr Waldshut-Tiengen. Er und seine Kameraden waren Zeugen der schweren Auswirkungen der Verpuffung. Dabei handelt es sich um eine schnelle Verbrennung mit geringer Flammengeschwindigkeit – anders als bei einer Explosion. "Als die Feuerwehr vor Ort war, war alles schon vorbei", berichtet Hestler. Es habe nichts gebrannt, und folglich musste nichts gelöscht werden.Wie verheerend die Folgen der Verpuffung waren, schildert der Feuerwehrmann: "Die Frontscheibe war in einem Stück herausgesprungen, und die Seitenscheiben waren zersplittert", erzählt Timo Hestler. Die Polizei berichtet, dass die Windschutzscheibe meterweit über den Parkplatz katapultiert wurde – direkt über den Kopf eines weiteren Kunden des Baumarkts. Des Weiteren wölbten sich an dem Fahrzeug die Türen und das Dach nach außen. Durch herumfliegende Glassplitter wurden vier weitere Fahrzeuge und eine Scheibe des Gartencenters beschädigt. Der 49-jährige Autofahrer erlitt bei der Verpuffung schwere Verbrennungen. Wie die Polizei mitteilt, sei er selbstständig aus dem rollenden Auto gesprungen. Rettungskräfte brachten den Verletzten ins Krankenhaus.
Das rät die Feuerwehr

Timo Hestler, stellvertretender Amtsleiter bei der Feuerwehr Waldshut-Tiengen, warnt davor, große Menge an brennbaren Stoffen in engen und geschlossenen Räumen wie beispielsweise in einem Auto austreten zu lassen. Rauchen und offenes Feuer seien tabu, "wenn man mit Sprühdosen gearbeitet hat". Sollten sich solche Stoffe dennoch in der Luft befinden, rät Timo Hestler dringend dazu, das Auto erst zu lüften, damit die brennbaren Aerosole wieder entweichen können. Auslöser der Verpuffung in Waldshut-Tiengen sei der feine Sprühnebel des Cockpitsprays gewesen, erklärt der Feuerwehrmann. Dieser habe sich im gesamten Auto verteilt. Auch Enteisungssprays, wie sie jetzt in der kalten Jahreszeit häufig von Fahrzeugbesitzern verwendet werden, sind leicht entflammbar, wie der Warnhinweis auf der Rückseite der Flasche zeigt. Bei Enteisungssprays sei die Gefahr, sich zu entzünden, jedoch geringer, sagt Timo Hestler, da das Behältnis im Gegensatz zur Spraydose kein Aerosol enthalte. Die Flüssigkeit müsste direkt mit Feuer in Berührung kommen, um sich zu entzünden.