Bergung

Wandbild des Künstlers Riedlin aus der alten Laufener Schule gerettet

Volker Münch

Von Volker Münch

Do, 27. Februar 2020 um 17:57 Uhr

Sulzburg

Weil die alte Schule in Laufen derzeit abgerissen wird, wurde ein Wandbild des örtlichen Künstlers Adolf Riedlin in Maßarbeit gesichert, herausgesägt und geborgen.

Rund drei Tonnen Gewicht hingen am Haken des Baggers bei der Bergung des Riedlin-Wandbilds am Donnerstag in Laufen. Akribische Vorbereitung und umsichtiges Handeln waren wichtig, um das Bild des bekannten Laufener Künstlers Adolf Riedlin für die Nachwelt zu erhalten. In der alten Laufener Schule zierte das Bild lange die Wand. Das Gebäude wird abgerissen, das Bild sollte nicht dasselbe Schicksal erleiden.

Lange ist im Ort darüber diskutiert worden, ob die Erhaltung aus finanzieller und aus kunsthistorischer Sicht sinnvoll ist. Die Restaurierung und Aufarbeitung soll nun möglichst über Spenden finanziert werden. Martin Benz, Stadtrat, Inhaber des gleichnamigen Metallbaubetriebes und feuriger Verfechter der Rettung des Kunstwerks nahm nun am Donnerstag das bereits herausgesägte Wandbild in Augenschein, kontrollierte alle Haken, Transportschlaufen und Seile. Er nahm immer wieder Maß, damit das Wandbild, ein abstraktes, sehr farbenfrohes Motiv, bloß nirgends anstößt oder sich selbständig vom Haken lösen konnte.

Bild wird eingelagert bis es weiter restauriert werden kann

In den Wochen zuvor hat er gemeinsam mit Restaurator Günther Dürr vom Freiburger Restaurationsbetrieb Eberhard Grether das Bild in einer ungewöhnlichen Bergungstechnik vor Beschädigungen geschützt und für den Transport vorbereitet. In einem speziellen fotografischen Verfahren wurde das Motiv dokumentiert – als Rückversicherung, sollte es doch eine Panne beim Herausnehmen und beim Transport wie auch bei der späteren Aufbereitung geben.

Die gute Nachricht: Bis zum Transport in den Forstbetriebshof der Stadt, wo das Objekt vorerst eingelagert und möglichst in den kommenden Monaten aufgearbeitet und restauriert werden soll, blieben unerwartete Überraschungen aus.

Zurück zur Schule: Schon kurz vor 9.30 Uhr sammelten sich interessierte Bürger vor der Schule. Unter ihnen Bürgermeister Dirk Blens, sein Amtsvorgänger Peter Wehrle, Ortsvorsteher Helmut Grether und verschiedene Stadt- und Ortschaftsräte. Zu sehen gab es eigentlich nur ein verpacktes, in einem Stahlrahmen fixiertes Stück Wand. Das Kunstwerk selbst war gut verpackt. Restaurator Günther Dürr beschreibt es als eine Art Sandwich-Verpackung, die aus mehreren Lagen besteht. Erst wurde eine Papierkaschierung aufgetragen, die die Oberfläche, also die Malerei, schützt und fixiert. Sie wird später vorsichtig wie eine Tapete abgelöst. "Die nächste Schicht ist eine Leinwandkaschierung, die zur Stabilisierung der Oberfläche dient", erklärt Dürr. Dann wurde – mit etwas Abstand zur Oberfläche – eine Holzvertäfelung montiert. In die erzeugten Hohlräume wurde Bauschaum eingebracht. Das gleiche Procedere wiederholte sich auf der anderen Seite der Wand. "Das dauerte inklusive der Trocknungszeiten etwa eineinhalb Wochen", erzählt der Restaurator. Um die weitere Vorgehensweise zu erproben, entnahmen er und Martin Benz auf die gleiche Weise ein Wandstück direkt neben dem Wandbild.

"Es ist wie ein Abschälen der Steinschichten." Restaurator Günther Dürr


Überraschungen im Mauerwerk wie etwa versteckte Stahl- und Betonstützen fanden sich entgegen ersten Befürchtungen nicht. Hinter dem Wandbild, das von Adolf Riedlin in den 60-er Jahren auf den Wandputz gemalt wurde, befand sich ein etwa 25 Zentimeter starkes Ziegelmauerwerk – "in der Tat eine fragile Angelegenheit", sagt der Restaurator. Um das Ganze zu stabilisieren brachte Martin Benz Stahlwinkel an. Dann wurde ein eigens für das Bild angepasster Stahlrahmen von beiden Seiten dem Bild "übergestülpt", um Zug- und Druckkräfte aufzufangen. Die ganze Vorbereitung samt Heraussägen des Wandbildes dauerte rund vier Wochen.

Während der kniffligen Maßarbeit fanden drumherum die Abbrucharbeiten der Schule und der alten Halle statt. "Wir sind gut aneinander vorbeigekommen", sagt Helmut Pontiggia, Projektleiter des Architekturbüros Siefert und Eggen.

Nun ist das Bild erstmal im Frostbetriebshof eingelagert. Erst wenn genug Geld da ist, kann es weitergehen: In einem speziellen Verfahren wird dann die Mauer des herausgetrennten Wandbilds Schicht für Schicht erschütterungsfrei bis auf eine Stärke von fünf bis zehn Zentimeter abgetragen, erklärt Restaurator Dürr. "Es ist wie ein Abschälen der Steinschichten." Dann erhält das Bild eine Armierung, wird an seinen künftigen Ausstellungsort in der Altenberghalle transportiert, wo die Malerei selbst wieder freigelegt, gereinigt und konserviert wird.

Doch dafür braucht die Stadt erst einmal Geld. Und weil die Haushaltslage angespannt ist, hofft sie auf Spenden. Insgesamt kostet die Aktion 25 000 Euro. Zum Vergleich: Die vielen Gemälde des bekannten Künstlers im Rathaus sind mit jeweils einer Summe von 25 000 Euro versichert. Jeweils 5000 Euro spendeten Benz und Eberhard Grether. "Wir brauchen zwischen 10 000 und 15 000 Euro", sagt Bürgermeister Blens. "Für unsere Stadt und sicherlich auch für die Kunstwelt hat dieses späte Werk Riedlins sowohl eine kulturhistorische, als auch eine lokale Bedeutung", sagt Blens.
Spendenkonto der Stadt Sulzburg bei der Sparkasse Staufen-Breisach, IBAN DE48 6805 2328 0009 0009 77, oder bei der Volksbank Staufen, IBAN DE93 6809 2300 0000 6666 02; Stichwort: Riedlin-Wandbild.