Muttertag

Warum Kinder für ihre Mütter kein Schnapspralinen kaufen dürfen

Eckhard Stengel

Von Eckhard Stengel

So, 10. Mai 2020 um 10:53 Uhr

Unterm Strich

Am heutigen Sonntag ist Muttertag – für viele der Anlass, ihren Müttern Blumen oder Schokolade zu kaufen. Aber: Schnapspralinen zählen nicht dazu. Der Jugendschutz gibt manchmal Rätsel auf.

Jugendliche dürfen ab 16 Jahren Bier, Wein oder Sekt kaufen und sich damit betrinken. Aber wenn sie ihrer Mama zum Muttertag eine Schachtel mit schnapshaltigen Pralinen schenken wollen, müssen sie bis zum 18. Geburtstag warten – falls sie die Süßigkeiten selber einkaufen möchten. Lebensmittel, die Spirituosen "in nicht nur geringfügiger Menge" enthalten, dürfen nur an Volljährige verkauft werden.So schreibt es das Jugendschutzgesetz vor. Es macht keine Ausnahme für Muttertags- oder Geburtstagsgeschenke.

Tabu sind Kirschpralinen mit Likör

Was ist eine "nicht nur geringfügige Menge"? Gemeint ist ein Alkoholanteil von mindestens einem Prozent am Gesamtvolumen des Produkts, erläutert die Verbraucherzentrale Bremen. Tabu sind Weinbrandbohnen oder Kirschpralinen mit Likör. Erlaubt ist dagegen der Verkauf etwa von Marzipanpralinen, die mit etwas Alkohol verfeinert wurden.

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) erklärt das Verbot so: "Alkohol muss wesentlicher Bestandteil, nicht nur Gewürzzutat sein." Daher macht in einer Eisdiele eine Rumrosine pro Becher den Verkauf an Jugendliche nicht illegal, "wohl aber ein Gläschen Likör im Eisbecher", so der BVLH im "Ratgeber Jugendschutzgesetz".

Kein Reformbedarf

Die Verbraucherzentrale Bremen sieht keinen Reformbedarf. "Es ist nicht erforderlich, dass Kindern ihren Müttern Alkoholschenken", meint Beraterin Annabel Dierks. Sie sollten lieber "faire Bio-Schokolade, heimische Blumen oder nicht-materielle Geschenke" überreichen.

So streng die Vorschriften für Muttertagsgeschenke sind, so lax sind sie für Adventskalender. Oft enthalten sie Süßigkeiten mit Alkoholzusatz. Keine Vorschrift verlangt, dass auf der Vorderseite gut sichtbar ein Warnhinweis steht. Der zugesetzte Alkohol muss nur in der kleingedruckten Zutatenliste auf der Rückseite vermerkt sein. So kann es passieren, dass Erwachsene ihre Kinder ungewollt mit alkoholversetzten Süßigkeiten beschenken, während sie selber auf Schnapspralinen aus Kinderhand verzichten müssen.