"Das verhagelt die Bilanz"

Das Gespräch Führte

Von Das Gespräch Führte

So, 14. März 2021

Gesundheit & Ernährung

Der Sonntag Wie klimaschädlich sind exotische Früchte? Interview mit Florian Antony.

Mal eine Mango, mal eine Ananas – exotische Früchte sind beliebt, weil sie Vitamine versprechen und lecker sind. Doch viele dieser Früchte kommen per Flugzeug zu uns und vermiesen die Klimabilanz, warnt Florian Antony vom Öko-Institut in Freiburg.

Der Sonntag: Wenn Sie sich im Supermarkt hin und wieder exotische Früchte gönnen: Haben Sie dann ein schlechtes Klimagewissen?

Ich versuche auf jeden Fall, bewusst einzukaufen – Früchte wie Mangos oder Papayas kaufe ich sehr selten. Etwas anders ist es bei Bananen, die kaufe ich öfter.
Der Sonntag: Was bedeutet der Kauf solcher Früchte für den ökologischen Fußabdruck?

Das sind umweltintensive Produkte, die von weit her zu uns transportiert werden. Vor allem wenn Produkte geflogen werden, verhagelt das die CO2-Bilanz sehr schnell. Essreif geerntete Papaya und Mangos werden oft mit dem Flugzeug aus Afrika importiert, Physalis aus Südamerika, die Passionsfrucht aus Kenia. Auch Spargel oder manche Früchte wie Himbeeren und Heidelbeeren kommen im Winter mit dem Flugzeug aus Übersee zu uns. Allerdings kann man im Supermarkt nicht immer so einfach herausfinden, ob ein Produkt zu uns geflogen wurde oder nicht, denn es gibt leider keine Kennzeichnungspflicht. Insbesondere bei hochpreisigen und zugleich leicht verderblichen Produkten ist aber nicht auszuschließen, dass diese per Flugzeug zu uns kamen.
Der Sonntag: Wie sieht es denn bei Bananen aus?

Die kommen meist per Schiff zu uns. Auch beim gekühlten Transport mit Containerschiffen wird die Umwelt belastet, jedoch deutlich geringer als beim Transport mit dem Flugzeug.
Der Sonntag: Sind manche Früchte-exportierenden Länder problematischer als andere?

Das ist schwer zu verallgemeinern. Man kann nicht sagen, dass einzelne Länder solche Produkte bewusst klimaschädlicher produzieren als andere. Auch wenn es lokale Unterschiede geben mag, bleiben das umweltintensive Lebensmittel.
Der Sonntag: Schon lange vor der Spargelsaison bieten manche Supermärkte Spargel an. Wie ist das einzuschätzen?

Da kommt es ein wenig darauf an, wie lange vor der Saison. Heimischer Spargel aus geschütztem, teilweise beheiztem Anbau erlaubt es, früher in die Saison zu starten. Der CO2-Abdruck ist hier schon größer als beim Spargel in der Hochsaison. Richtig deutlich aber wird der Unterschied, wenn Spargel komplett außerhalb der Saison bei uns angeboten wird. Wird Spargel etwa aus Peru zu uns geflogen, kann das eine bis zu 20 Mal größere Belastung fürs Klima sein. Saisonal zu essen, was der regionale Freilandanbau gerade hergibt, kann also einen großen Unterschied machen. Wer sich nicht sicher ist, wann bestimmte Gemüse und Obst Saison haben, kann sich an einem Saisonkalender orientieren – das mache ich selbst auch.
Der Sonntag: Wenn im Bioladen Bio-Mangos aus Indien liegen: Soll man solche Bioprodukte aus Übersee kaufen?

Es ist grundsätzlich sinnvoll, den Bioanbau zu stärken – das gilt auch für Produkte, die in anderen Regionen der Welt produziert werden. Man kann zusätzlich darauf achten, dass die Früchte fair angebaut wurden und ein Fairtrade-Siegel tragen. Das bedeutet natürlich nicht unbedingt, dass der CO2-Abdruck besser ist, sinnvoll ist es dennoch.
Der Sonntag: Im Bioladen finde ich auch Äpfel aus Lateinamerika. Lieber liegen lassen?

Das kommt auf die Jahreszeit an. Kaufe ich im späten Frühjahr saisonale Äpfel aus Chile oder Neuseeland, die mit dem Schiff zu uns kamen oder Äpfel aus der Region, die aber über Monate in Kühllagern lagen, damit sie knackig bleiben? Auch wenn so eine Lagerung aufwändig ist und der CO2-Abdruck der Äpfel dadurch steigt, ist er bei den hiesigen Äpfeln mindestens bis Ende Mai geringer. Allerdings gibt es zu diesem Zeitpunkt auch bereits heimische Früchte, die gerade Saison haben.
Der Sonntag: Welche Produkte haben einen sehr hohen Wasserverbrauch bei der Herstellung?

Bekannte Beispiele sind Avocados und auch die Mandeln aus Kalifornien. Besonders kritisch ist die Wasserinanspruchnahme dann, wenn in der Erzeugerregion der Wasserverbrauch für Lebensmittel insgesamt sehr hoch ist und dort ohnehin Wassermangel herrscht. Aber man sollte sich klar machen, dass auch Rindfleisch einen hohen Wasserfußabdruck hat. Das betrifft weniger das Trinkwasser für die Tiere als die nötige Wassermenge für die Futtermittelproduktion. Tierische Produkte wie Fleisch, Butter und Milch können einen weitaus stärkeren Einfluss auf den Umweltfußabdruck unserer Ernährung haben als manche Übersee-Früchte.
Der Sonntag: Sie plädieren dafür, die Ernährung als Ganzes in den Blick zu nehmen?

Auf jeden Fall. Aus Klimaschutzgründen Mangos verteufeln, aber jeden Tag ein Steak essen oder drei, vier Mal in der Woche mit dem Auto zum Supermarkt fahren, ist nicht die beste Strategie.
Florian Antony (37) ist Mitarbeiter beim Öko-Institut in Freiburg, einer seiner Schwerpunkte ist nachhaltiger Konsum.
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