Bayern

Warum setzte ein Mann für die Wilderei alles auf Spiel?

Sebastian Nachbar und Thomas Straub

Von Sebastian Nachbar und Thomas Straub (Fotos)

Sa, 16. Juli 2016 um 00:01 Uhr

Panorama

Von einem, der durch die Wilderei alles verlor: Das Leben des Jensei ist Stoff für ein großes, urbayerisches Drama. Unsere Geschichte über den Wilderer beginnt ohne ihn.

Um sechs Uhr abends war ausgemacht, pünktlich öffnet man das selbstgebastelte Gartentor und steht vor dem kleinen Zuhause, hier außerhalb des Dorfes Bergen im Chiemgau, am Fuße des Hochfelln, in dem dieser Mann seinen Alterssitz gefunden hat. Dunkelheit umhüllt das Haus, Dunkelheit gähnt aus den Fenstern. Die Katze schlüpft durch die Beine. Klopfen, rufen, suchen, telefonieren, warten. Wieder fahren.
Jens Friese scheint verschwunden zu sein. Aber wen wundert das – fast sein ganzes Leben lang war er verschwunden.Was soll man Neues sagen über einen Mann, über den schon so viel gesagt ist? Wo soll man anfangen zu erzählen vom bekanntesten und wohl schlauesten Wilderer Deutschlands? Reporter überregionaler Tageszeitungen lauschten seinen Anekdoten, Fotografen folgten ihm zum Polarkreis, das Bayerische Fernsehen porträtierte ihn in den "Lebenslinien", Filmregisseure schlecken sich die Finger ab nach seiner Story. "Ich kann hingehen, wo ich will, mich kennen sie überall", sagt Jens Friese. Jäger, Förster und Polizisten hassen ihn dafür.
Also noch mal ein Termin, eine Woche später. Diesmal geht die Tür auf, heraus kommt ein Mann in Schwarzweiß. Schwarz das T-Shirt und die gemütliche Jogginghose, weiß der Bart und die Haare. Seine kristallblauen Augen schneiden einem Löcher in den Kopf. Jens Friese, der Jensei, wie sie ihn hier alle nennen, bittet in seine Stube. Die Wände ächzen unter unzähligen Gamsköpfen und anderen Tierschädeln, Trophäen und Knochen.Vom Beruf her ist der Bewohner dieses Raumes Tierpräparator. Niemand kann nachweisen, woher das ganze Zeug wirklich stammt. Das war immer sein Glück. Zinnkrüge baumeln an einer Stange,vergilbte Fotos tapezieren die Tür. Das Ticken der Uhr zerhackt die Stille in Portionen. Jens Friese trinkt vom Apfelsaft. Jetzt sitzt er ...

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