Handball

Was wird nach dem Abbruch der Saison? Wem wird das Aufstiegsrecht angeboten?

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Mi, 08. April 2020 um 15:58 Uhr

Handball Allgemein

Mit dem Abbruch der Handballsaison sind viele Fragen geklärt, andere aber bleiben noch einige Tage offen: Zum Beispiel jene zur Wertung der Runde.

LAHR. Die Entscheidung fiel am vergangenen Wochenende, und damit früher als erwartet: Die Handballsaison in Südbaden ist beendet (wir haben berichtet). Das Präsidium des südbadischen Handballverbandes (SHV) hat diesen Beschluss in einer Telefonkonferenz gefasst und ist damit der Empfehlung des Deutschen Handballbundes (DHB) an die Landesverbände gefolgt. Es soll demnach zwar keine Absteiger, aber Aufsteiger geben. Trotzdem bleiben noch Fragen offen. So ist noch nicht entschieden worden, wie die Saison gewertet wird. Wem wird das Aufstiegsrecht angeboten? Die Antwort dazu will der SHV nach Ostern vorlegen.

Alexander Klinkner, Präsident der südbadischen Handballer erläuterte die Entscheidung: "Unser Ziel und unsere Hoffnung war es bis zuletzt, eine sportliche Lösung für die Beendigung der Runde zu erreichen. In einem Zeitfenster, das durch die Sommerferien in den nördlichen Bundesländern auf 25. Juni begrenzt ist, und durch die nötige Verlängerung der Sperren von Schulen und damit Hallen gekennzeichnet ist, ist dies jedoch leider nicht mehr möglich. Der Beschluss zum Abbruch ist uns nicht leicht gefallen, aber damit erreichen wir Planungssicherheit für die Vereine."

Der DHB war vorausgegangen und hatte damit einen gewissen Entscheidungsdruck erzeugt. Er hatte zusammen mit den Bundesligen bei Männern und Frauen beschlossen, dass es keine Absteiger geben soll – mit der Ausnahme von bereits zurückgezogenen Mannschaften oder sogenannter wirtschaftlicher Absteiger – ,sondern lediglich Aufsteiger in die Saison 2020/21. Er hat eine Übernahme dieser Regelung im Sinne der Einheitlichkeit für die Umsetzung auf Landesverbandsebene empfohlen. Das Präsidium des SHV hat diese Sichtweise übernommen.

"Das heißt, dass es durch die abgebrochene Spielrunde 2019/2020 nur Gewinner geben wird: sportlich keine Absteiger, sportlich jedoch Aufsteiger. Bei Mannschaften die aus anderen als sportlichen Gründen eine Klasse tiefer melden wollen wird dies gestattet", erklärte der SHV hierzu. Das Präsidium des SHV bringe damit die Wertschätzung für die Vorbereitung sowie die bisher gespielten Spiele zum Ausdruck. "In Situationen wie wir sie gerade erleben sollte keine Mannschaft benachteiligt werden."

Der HTV Meißenheim darf für die Südbadenliga planen

Der vom Abstieg bedrohte HTV Meißenheim, der den elften Rang in der 14 Teams zählenden Südbadenliga ziert, darf sich nun auf eine weitere Runde in der höchsten südbadischen Klasse einrichten. "Wir haben die Nachricht am Montagmorgen aus der Zeitung erfahren. Grundsätzlich wollten wir ja eigentlich gerne Handball spielen", sagt dessen Vorsitzender Michael Labusch. "Die Entscheidung ist ganz oben getroffen worden, wir haben sie zu akzeptieren. Aber ich denke, das ist die richtige Entscheidung. Unsere Zielvorgabe war immer, dass wir in sportlicher Hinsicht alles dafür geben wollen, weiter in dieser attraktiven Liga zu bleiben. Jetzt müssen wir uns mal zusammensetzten und darüber nachdenken, was auf uns zukommen kann."

Für den SHV liegt der Fokus jetzt auf der Frage der Wertung der abgebrochenen Runde: Wem wird das Aufstiegsrecht angeboten? "Antwort dazu sollte bis nach Ostern vorliegen", sagt Klinkner. Hiervon betroffen wäre zum Beispiel der TuS Ottenheim, der sich nach dem aktuell eingefrorenen Tabellenstand auf dem zweiten Rang in der Landesliga Nord befindet und sich gute Chancen ausgerechnet hatte, die Saison auf dem ersten Platz zu beenden. Möglicherweise wird den Ottenheimer die Aufstiegsmöglichkeit angeboten. Dahinter steht die Überlegung, dass alle Teams, die rechnerisch die Möglichkeit noch gehabt hätten, einen Aufstiegsplatz zu erreichen, damit zufriedengestellt werden.

Die Handballerinnen des TuS Schutterwald zieren den Spitzenrang im Südbadenliga-Tableau. Sie werden wohl in der kommenden Runde, ebenso wie das Männerteam, in der Oberliga Baden-Württemberg antreten. "Wir wissen noch nichts Genaueres und müssen jetzt erst mal die Entscheidung abwarten", sagt Nicole Wolber, die Leiterin der Frauen-Handballabteilung. Der Verein hat für das Vorhaben Oberliga aber grundsätzlich bereits grünes Licht gegeben.

Das Präsidium des SHV hat die Alternativen zur Wertung der Spielrunde gesichtet sowie aus der Vielzahl der Ansätze Beiträge auf die Ebene des DHB eingebracht. "Wir bedanken uns für die vielen Ansätze von Vereinen, Trainern und anderen Engagierten. Das Präsidium wird sich aktiv in die Entscheidungsfindung im DHB einbringen. Wichtig ist hier die Geschlossenheit der Landesverbände in Deutschland im Auge zu behalten", erklärt der SHV.

Die drängendste Frage im Jugendbereich ist die Frage nach der Qualifikation für die Spielrunde 2020/2021, die normalerweise vor den Sommerferien ausgespielt wird. "Hier müssen und werden alternative Lösungen für den südbadischen Handball Verband in Abstimmung mit dem DHB und Handball Baden-Württemberg gesucht und gefunden werden. Wir arbeiten intensiv daran mit", erklärt Klinkner.

Die Lage des TV Willstätt bedarf noch der Klärung

Noch ungeklärt ist die Lage für den Drittligisten TV Willstätt, der sich aktuell auf dem 14. und drittletzten Platz, einem Abstiegsplatz, findet. DHB und Handball-Bundesliga (HBL) haben eine Entscheidung über Abbruch oder Fortführung der laufenden Saison auf einen späteren Zeitpunkt vertagt. Die HBL beabsichtigt derzeit, den Spielbetrieb spätestens zum 16. Mai wieder aufzunehmen. Sollte allerdings die Saison abgebrochen werden, soll es in Liga drei, ebenso wie im Bereich des SHV, keine Absteiger geben. Dann wäre der TVW gerettet.