Aktionen im Advent

Weihnachtliches im Hexental und am Batzenberg

Andrea Gallien

Von Andrea Gallien

Sa, 28. November 2020 um 16:00 Uhr

Merzhausen

Ohne Corona gebe es jetzt wieder Weihnachtsmärkte. Sölden und Merzhausen bieten "kleine Lösungen" als Ersatz für ausfallende Adventsmärkte. In Au gibt es eine stille Lichterweihnacht.

Noch keinen Adventskranz? Noch keine Idee für ein kleines Weihnachtsgeschenk für die Nachbarin? Keine Zeit zum Backen, aber viel Lust auf eine frische Linzertorte? Keine Lust auf Karussell, Dauerweihnachtsmusikberieselung und Glühweinstand-Gedränge? Die Lösung: Die Weihnachtsmärkte in den kleinen Gemeinden im Hexental und am Batzenberg. Wäre Corona nicht, Weihnachtsmarkt-Fans hätten heute ihre Freude. Viele Märkte sind abgesagt, aber in einigen Gemeinden gibt es zumindest "kleine Lösungen".

In Merzhausen war am Samstag vor dem ersten Advent immer besonders viel los. Das hat Tradition: Schon zu Zeiten, als die alte Festhalle noch stand, drängten sich die Besucher an den Ständen, später dann im Rathaus und seit 2012, seit der Eröffnung des Forums, auf dem neuen Marktplatz und drinnen im Foyer. In Merzhausen, sagt Reinhard Vogt, im Rathaus für die Planung des Marktes zuständig, hat man sich lange und immer wieder neue Varianten ausgedacht, wie der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr vielleicht doch zu retten sein könnte. Schließlich hatten wieder rund 70 Beschicker Interesse angemeldet. Letztlich war aber klar: Im Forum wird nichts stattfinden können und draußen auf dem Marktplatz auch nicht in gewohnter Form.

Beschicker kommen auf den Wochenmarkt

Entschlossen hat man sich letztlich für eine kleine Lösung: An den vier Adventssamstagen werden auf dem regelmäßig stattfindenden Wochenmarkt jeweils drei zusätzliche Stände zu Gast sein, mit Beschickern, die sonst auf dem Weihnachtsmarkt anzutreffen waren. Dabei sein wird jedes Mal der Musikverein, die anderen beiden Stände werden wechselnd besetzt. Am Samstag macht Monika Massie mit ihren Adventskränzen den Auftakt, zudem der Partnerschaftsverein, der Misteln verkaufen wird.

Monika Massie ist seit mehr als 25 Jahren beim Weihnachtsmarkt dabei, ihre Adventskränze sind im Ort beliebt. Das Kränzebinden und -entwerfen ist für sie in all den Jahren zum Hobby geworden. Dabei ist ihr besonders wichtig, mit Material zu arbeiten, das in der Natur vorkommt – "blink-blink ist nicht so mein Geschmack". Lieber verwendet sie als Dekoration Tannenzapfen, aber auch Maisblätter. Die werden gebügelt und mit Silber- oder Goldfarbe besprüht. Holz, abgeschält vom Stamm von Tannenbäumen, hat sie getrocknet und umklebt damit Konserven- oder Keksdosen – der Kreativität, sagt Monika Massie, sind keine Grenzen gesetzt. Und einen Tipp hat sie noch: Die Kränze sollte man über Nacht auf Terrasse oder Balkon stellen, "dann ziehen sie Tau und bleiben länger frisch".

Musikverein verkauft Fröbelsterne und Gebäck

Gleich an allen vier Adventssamstagen wird der Musikverein auf dem Wochenmarkt mit einem Stand vertreten sein. Angelika Rosenberger ist froh über diese Möglichkeit und sieht sie als Chance, die Finanzen des Vereins etwas aufzubessern, schließlich seien ja Dorfhock und Konzerte ausgefallen. Gesungen werden darf ja nicht, aber die Vorsitzende hat jede Menge Fröbelsterne gebastelt, die verkauft werden sollen, außerdem haben die Jugendleiter des Vereins die Eltern motiviert, Linzertorten und Gebäck beizusteuern.

Fleißig am Backen sind seit einiger Zeit auch die Landfrauen im Hexental. Seit vier Wochen etwa wissen sie, dass sie am 1. Dezember einen eigenen Stand auf dem Wochenmarkt in Sölden haben werden. Die Idee ist ähnlich wie in Merzhausen: Zumindest einige Beschicker des in Sölden immer traditionsgemäß am Donnerstag vor dem ersten Advent stattfindenden Marktes sollen die Chance haben, ihre Produkte zu verkaufen, diesmal im Rahmen des Wochenmarktes und – hier wie dort natürlich unter Einhaltung der Corona-Hygienebestimmungen. Von dem Angebot Gebrauch machen die Landfrauen aus dem Hexental am 1. Dezember. Handarbeiten aus Filz und Seide wird es an desem Tag an einem anderen Stand geben. An allen vier Dienstagen gibt es zudem einen Stand, an dem Kräuter und Tees verkauft werden.

Früchtebrot und Linzertorte, Marmelade und Gemüsebrühe werden von den Landfrauen angeboten, berichtet deren Vorsitzende Andrea Karle. "Seit vier Wochen wissen wir, dass wir auf dem Mark verkaufen können", so Karle. Seither seien die Landfrauen in St. Ulrich, Bollschweil, Sölden, Wittnau und Horben bei der Arbeit. Für die Landfrauen, sagt Karle, sei die Möglichkeit, etwas Geld zu verdienen, sehr wichtig – gerade in einem Jahr wie diesem, in dem so vieles ausgefallen ist: die Jubiläumsfeier zum 40-jährigen Bestehen der Landfrauen, Flohmarkt und Basar.

Wichtig bei öffentlichen Auftritten sei der finanzielle Aspekt, aber auch die Möglichkeit, sich als Landfrauen vorstellen zu können. "Denn wir haben Nachwuchssorgen, gerade junge Frauen assoziieren uns mit Kaffee-Kränzchen", sagt Karle zu einem Image, dem durch Angebote für junge Frauen im Jahresprogramm, etwa durch Vorträge zur Kindererziehung, entgegengewirkt werden soll.

Söldens Bürgermeister Markus Rees ist sicher, dass die Adventsstände gut besucht werden, ähnlich wie die Marktstände auf dem Lindenplatz bereits im gesamten Jahr. Seit Corona, sagt der Bürgermeister, seien deutlich mehr Menschen auf dem Markt zu sehen, sehr zur Freunde der Beschicker. "Viele Menschen sind im Homeoffice, meiden große Menschenansammlungen und nutzen das Angebot vor Ort intensiver als sonst." Besonders erstaunt hat ihn jüngst eine rund 150 Meter Schlange vor dem Stand des Metzgers, der immer am Donnerstag kommt. "Die Leute hielten zwei bis drei Meter Abstand, aber so viele Kunden, das war schon beeindruckend."

Verzichten müssen in diesem Jahr die Ebringer auf ihren Markt, der immer Mitte Dezember um das Schloss herum stattfand und seit 29 Jahren von den Maltesern organisiert wird. Es gab die Überlegung, so Bernhard Goldschmidt, Vorsitzender des Malteser-Ortsvereins, zumindest einen kleinen Markt vor dem Winzerhof zu veranstalten, das habe sich aber zerschlagen, weil es dort zu eng ist, um ausreichend Abstand zwischen den Ständen und den Besuchern halten zu können.

Tannenbaumverkauf wohl mit Voranmeldung

Eine Lösung wird derzeit noch für den Tannenbaumverkauf gesucht, der zum Weihnachtsmarkt dazugehörte. Andreas Rees vom Eckhof in Horben werde vermutlich anbieten, dass Bürger sich telefonisch oder per Internet anmelden und die Bäume auf dem Grundstück in Horben, auf dem Bäume wachsen, selber aussuchen und abholen können. Das, so Goldschmidt, geht aber nur, wenn vorher Zeitfenster festgelegt werden, damit nicht zu viele Menschen auf einmal auf dem Grundstück sind.

Lichterweihnacht auf dem Rathausvorplatz

Die Gemeinde Au hat mit ihrer Lichterweihnacht auf dem Rathausvorplatz immer eine besondere Form des Weihnachtsmarktes geboten. Da an Glühwein und geselliges Beisammensein nicht zu denken ist, bleiben in diesem Jahr nur der Glanz der beiden erleuchteten Häuschen und der große geschmückte Baum. Beides böte doch zumindest etwa heimeliges Flair, meint Hauptamtsleiterin Juliane Lorenz, "so hat man ein klein wenig das Gefühl, es ist Weihnachten".