Weltpremiere in der Kombination

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

So, 01. November 2020

Nordische Kombination

Erstmals dürfen bei der WM auch Frauen starten.

Eine der letzten Männer-Bastionen des Sports ist gefallen: Frauen steigen in die Nordische Kombination ein. Sie springen Ski und bestreiten anschließend Skilanglaufrennen. Erstmals durften sie nun eine deutsche Meisterschaft austragen, erstmals starten sie im Weltcup – und besonders ihr Debüt bei der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft im Februar 2021 in Oberstdorf könnte große Beachtung finden.

Ursprünglich hatten die Organisatoren der WM im Allgäu den kombinierten Wettkampf – morgens springen, nachmittags laufen – auf einen Montag gelegt. Aber die Programmgestalter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens intervenierten. "Das ZDF wollte den Wettkampf der Frauen in der Primetime am Samstag senden", berichtete Horst Hüttel, der Teammanager für das Skispringen und die Nordische Kombination im Deutschen Ski-Verband (DSV), der Badischen Zeitung (Dienstagsausgabe). Eine Weltpremiere der Frauen in einem Uralt-Sport der Männer – das könnte für starke Quoten sorgen.

Schon vor fast anderthalb Jahrhunderten sprangen Männer auf Skiern von Hügeln und liefen anschließend in der Loipe. Die Kombination, gern auch Königsdisziplin des Nordischen Skisports genannt, war und blieb eine Männerdomäne. Das hatte vor allem zwei Gründe. Erstens gehört die Kombination traditionell zu den eher selten ausgeübten Randsportarten. Die Zahl der Männer, die Springen und Laufen im Winter kombinieren, ist weltweit recht übersichtlich. Zweitens aber hemmten Frauenfeindlichkeit und Vorurteile die Entwicklung. Skilanglauf betreiben Frauen schon seit Jahrzehnten, aber das Skispringen war ihnen lange Zeit nicht erlaubt. Noch zur Jahrtausendwende vertrat Gian Franco Kasper, damals wie heute Präsident des Internationalen Ski-Verbands (FIS), die Überzeugung, Skispringen könne der Gesundheit der Frauen schaden.

Aber das war Unsinn. Vor allem das Internationale Olympische Komitee machte so lange Druck auf die FIS, dass ihr im vergangenen Jahrzehnt gar nichts anderes mehr übrig blieb, als das Skispringen auch für Frauen zu öffnen. Fortschrittliche Länder wie Deutschland, Österreich, Frankreich und Norwegen schlossen in der Folge: Wenn Frauen jetzt skispringen dürfen, dann können sie auch gleich kombinieren. Noch sind es nicht viele Talente, die in Deutschland den dualen Weg gehen. Ein knappes Dutzend überwiegend junger Frauen maß sich vor einer Woche bei der ersten deutschen Meisterschaft in Oberstdorf. Eine davon war Svenja Würth. Die 27 Jahre alte Schwarzwälderin wurde Dritte. Sie war mit Abstand die Älteste im Feld. Viele Jahre war ihr nur das Spezialspringen erlaubt – dabei war es schon als Kind ihr Traum gewesen, das Fliegen im erdnahen Raum mit dem Skilanglauf zu verbinden.

Bei ersten internationalen Wettkämpfen gingen immerhin schon zwölf Nationen an den Start. "Natürlich ist die Disziplin von der Qualität her gesehen noch jung", sagte Hüttel. Aber das Niveau werde schnell wachsen.