Wer nicht sehen kann, darf hören

Elena Stenzel

Von Elena Stenzel

Mo, 03. Mai 2021

Kultur

Die "Port Installation" vor dem Freiburger Theater bietet Soundfiles aus aktuellen Produktionen.

Die Theatertreppen reihen sich wie ein kleines Amphitheater um eine schwarze Plattform. Menschen sitzen dort und schlecken ihr Eis, Familien genießen die Sonnenstrahlen. Die Türen des Freiburger Theaters sind geschlossen, Spielpause wegen der Corona-Pandemie. Doch was passiert dort eigentlich? Welche Stücke werden geprobt? Woran wird gearbeitet?

"Niemand bekommt mit, was wir derzeit machen", sagt Leonie Fritsch. Die 26- Jährige arbeitet als Musikvermittlerin und Musiktheaterpädagogin am Theater Freiburg und hat die interaktive Soundinstallation "Port Installation" entwickelt. Diese ist bis Mitte Juli auf dem Theatervorplatz für die Öffentlichkeit geöffnet. Bereits im Dezember sei ihr die Idee zur "Port Installation" gekommen. Schnell sei dabei klar gewesen, dass Nähe zum Publikum ohne tatsächlichen Kontakt nur über eine Installation möglich sei. Und eine Soundinstallation, also Geräusche, Stimmen, dröhnender Bass oder ein Orchester, sollte es sein, kein Bewegtbild. "Wir erleben gerade eine kleine visuelle Welle, da wir täglich so viel Digitales, so viele Videos sehen", sagt Fritsch, die seit der laufenden Spielzeit 2020/21 am Theater Freiburg arbeitet.

Zehn Quadratmeter ist sie groß, die Installation auf dem Theaterplatz zu Füßen des Theaters. Wer mit Hand, Fuß, Arm, Bein oder auch mit Ohr oder Kinn den Strahl einer der 20 Lasersensoren unterbricht, die in den Boden der schwarzen Bühne eingebaut sind, startet einen Hörausschnitt (Soundfile) aus einer der aktuellen Produktionen. Akustische Schnipsel aus dem Theaterinneren, die das Publikum zu einer Oper oder einem Schauspiel führen. Parallel können beliebig viele Soundfiles abgespielt und kombiniert werden.

Für die Lasersensorik hat das Theater mit der Firma Sensorpart aus Gottenheim zusammengearbeitet, die ein dreidimensionales Laserfeld in die Plattform integrierte. Die dabei verwendeten Laser kommen sonst in der Industrie zum Einsatz. Der Lehrstuhl für Rechnerarchitektur der Uni Freiburg hat das Stadttheater bei der Programmierung und der Ansteuerung der Laser unterstützt. "Das war eine neue Ebene der Zusammenarbeit. Die Expertise unserer Partner war total wichtig, denn Laserstrahlen sind ja doch etwas Abstraktes", sagt Leonie Fritsch. Sie hofft, dass möglichst viele Menschen die Installation ausprobieren, neugierig sind und Spaß daran finden. "Es gibt kein richtig oder falsch, ganz egal ob man sich die Stücke vollständig anhören oder lieber ein bisschen DJ spielen will", sagt sie. "Jeder soll mit der Installation eine ästhetische Erfahrung machen."

"Port Installation" auf dem Vorplatz des Freiburger Theaters. Bis Mitte Juli, Mo bis Sa, 15 – 20 Uhr (außer an Feiertagen).

Frei zugänglich.