Werke ergänzen sich perfekt

Rosemarie Tillessen

Von Rosemarie Tillessen

Mi, 15. September 2021

Waldshut-Tiengen

Doppelausstellung in den Schwarzenbergsälen / 50 Fotografien treffen auf acht Stahlplastiken.

. Es ist eine ganz besondere Ausstellung, die jetzt in den Schwarzenbergsälen im Schloss Tiengen gezeigt wird: Da sind die rund 50 Schwarz-Weiß-Fotografien von Maria Fröhlich-Knorr, die sich in ihrer Strenge und Reduziertheit wunderbar mit den acht Stahlplastiken von Jörg Bach ergänzen. Die berührendsten Arbeiten entdeckt man dann aber im kleinen Flur der Ausstellung: Dort setzt sich Maria Fröhlich-Knorr, die krankheitsbedingt an der Vernissage nicht teilnehmen konnte, in 18 Selbstportraits eindrucksvoll mit ihrer Krankheit auseinander. Auf den ersten Blick schockierend, dann aber mit sehr viel Lebenskraft und Humor. "Haarlos" nennt sie diese Serie.

Zurück zur Ausstellung: Die Vernissage fand coronabedingt im Schlosshof statt. Und da Kunsthistorikerin Zara Tiefert-Reckermann, ebenfalls krankheitsbedingt, nicht wie geplant in die Ausstellung einführen konnte, wurde ihre Rede von Kulturamtsleiterin Kerstin Simon verlesen. So erfuhren die Ausstellungsbesucher, dass die gelernte Bauzeichnerin Fröhlich-Knorr fotografisch Autodidaktin ist, aber seit 2014 mit Fotografien experimentiert. Bevorzugt in der Stille der Nacht. Dabei spielt sie mit Gegenständen ihrer Umgebung – mit Wänden, Fliesen, Netzen, Würfeln und anderem. So entstehen reizvolle Fotoserien wie "Verwandelt", "Hinundher" oder "Galaxy". Ihre Arbeiten sind ausschließlich schwarzweiß, manchmal messerscharf im Kontrast, manchmal weich, verschwommen und voller Grauabstufungen, statisch oder voller Bewegung. Zara Tiefert-Reckermann spricht von "Lichträumen" und "konkreten Fotografien".

Ihren Arbeiten stehen die Plastiken aus vierkantigen Stahlbändern von Jörg Bach gegenüber. Er schweißt sie zu dynamischen Formen zusammen, verknotet und reizvoll verschlungen. In Tiengen zeigt er Skulpturen aus seinen beiden neuesten Serien "Höhlenblock" und "Neuland". Bei den vier Arbeiten "Höhlenblock" ließ er sich – so Zara Tiefert-Reckermann – von den Höhlen und Gewölben eines unterirdischen französischen Kalkbergwerks anregen und zu neuen Räumen inspirieren. Bei den Arbeiten zur Serie "Neuland" poliert er den Stahl spiegelnd und bezieht so den Betrachter mit ein.

Die Künstler: Maria Fröhlich-Knorr ist in Kattowitz/Schlesien geboren und kam 1975 als Spätaussiedlerin nach Deutschland. Seit 1985 lebt die gelernte Bauzeichnerin und Mutter zweier Kinder in Gurtweil. Jörg Bach ist in Wolgast an der Ostsee geboren. Er studierte freie Bildhauerei in Karlsruhe, war lange Lehrer an der Städtischen Jugendkunstschule in Tuttlingen und lebt heute als freier Künstler in Mühlheim/Donau. Die Ausstellung in Schloss Tiengen ist bis zum 3. Oktober, mittwochs bis sonntags, von 15 bis 18 Uhr geöffnet.