Wie deutsch sind Spaghetti?

Markus Zimmermann

Von Markus Zimmermann

Mi, 15. September 2021

Emmendingen

Interkulturelle Woche will vom 24. September bis 3. Oktober Begegnungen fördern und vertiefen.

. Eigentlich sei jede Woche interkulturelle Woche, sagt Sylvia Fall. "An jedem Tag bieten sich Möglichkeiten, Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund zu begegnen", sagt die Integrationsbeauftragte der Stadt Emmendingen. Dennoch sei, nachdem diese Woche 2020 hatte ausfallen müssen, für die Tage zwischen dem 24. September und 3. Oktober wieder ein Programm erarbeitet worden, das auf unterschiedlichste Weise Begegnung ermögliche.

Interkulturelle Begegnung existiert schon lange. Verstärkt kamen Ausländer durch Anwerbung nach Deutschland. Das erste Abkommen war 1955 mit Italien geschlossen worden. Wie diese Menschen aus unterschiedlichsten Ländern das Leben in Emmendingen bis heute mitprägen, wie sie Unternehmens- und Gastronomiegeschichte mitgeschrieben haben, wird gleich bei mehreren Veranstaltungen Thema sein. So werden bei der Eröffnung Unternehmer mit Migrationsgeschichte vorgestellt. Dass dabei auch die Gastronomie eine Rolle spielt, wird vertiefend aufgegriffen. So mit internationalen Suppenspezialitäten im "Haus zum Engel", aber auch bei der Suche nach Antworten auf die Frage: Wie deutsch sind Spaghetti? Unter dem Motto "Reingeschmeckt" wird die italienische Küche, werden aber auch die Gastronomen aus Italien vorgestellt. "Durch Essen lässt sich Kultur verstehen", erklärt dazu Antonello Medoro, ein Botschafter der italienischen Küche aus Emmendingen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Musik. Werke von Sergei Rachmaninow, der selbst eine bewegte Migrationsgeschichte hat, französische Chansons und italienische Canzone werden zu hören sein und können insbesondere am 2. Oktober mit Vivace gesungen werden. Der Freiburger Verein lädt ins Stadtteil- und Familienzentrum ein, um mit Kindern im Alter bis zu zehn Jahren zu singen, aber auch zum "Karaoke in coro" für ältere in italienischer Sprache. "Singen verbindet", erklärt Katy Nataloni, die Vorsitzende von Vivace.

Erstmals am internationalen Stadtteilfest auf dem Bürkle-Bleiche, bei dem sich am 25. September viele Vereine und soziale Einrichtungen vorstellen, wird der neu gegründete Verein "Dusti – Deutsch-Afghanische Freundschaft" teilnehmen. "Rund 300 Menschen aus Afghanistan leben aktuell in Emmendingen", erklärt Ibrahim Andisha, der schon 1993 nach Deutschland gekommen war. Am 1. Oktober, dem Tag der Geflüchteten, wird der Arzt Arndt Dohmen aus dem Flüchtlingslager auf Lesbos berichten, Riccardo Mori von der Seenotrettung. Am Abend zuvor wird bei einer interreligiösen Feier in der evangelischen Stadtkirche der Toten an den EU-Außengrenzen gedacht.

"Vorerst sind 16 Veranstaltungen geplant", sagt Fall. Die Stadt Emmendingen beteilige sich seit 2016 mit einem eigenen Programm an dieser Begegnungswoche, die aus dem Tag des ausländischen Mitbürgers hervorging. Sie rät, sich tagesaktuell zu informieren, was aufgrund Corona tatsächlich stattfinden kann.