Eswatini

Wie ein König 100 Luxusautos für seine 13 Frauen kaufte

Johannes Dieterich

Von Johannes Dieterich

Fr, 15. November 2019 um 20:30 Uhr

Panorama

Für rund 90 Millionen Euro hat der Monarch vom bitterarmen Eswatini seinen Fuhrpark aufgepeppt. Dabei haben zwei Drittel der Bürger des afrikanischen Landes nicht einmal 1,25 Dollar am Tag.

Mehr als 100 Luxusautos hat Mswati III., König von Eswatini, für den königlichen Fuhrpark gekauft. Dabei gehört das afrikanische Land zu den ärmsten der Welt. Aus der Bevölkerung kommt Protest – auf den der Monarch mit Repressionen reagiert.

Es hätte eigentlich gar nicht bekannt werden dürfen, denn den Wagenpark seiner königlichen Hoheit Mswati III., des Herrschers über das afrikanische Bergkönigreich Eswatini (ehemals Swasiland), zu fotografieren, ist strengstens verboten. Da es sich bei dem Königreich allerdings um einen Binnenstaat ohne Zugang zum Meer handelt, müssen sämtliche Importe über das südafrikanische Nachbarland angekarrt werden – und dort findet selbst die absolute Macht des 51-jährigen Monarchen ihre Grenze.

Deshalb gelang es Einwohnern des südafrikanischen Städtchens Carolina jüngst, Bilder von zwei ungewöhnlichen Konvois aufzunehmen: Der erste bestand aus drei Sattelschleppern, die 15 nagelneue Rolls Royces geladen hatten. Nur wenige Tage später rollte eine zwölfteilige Lastwagen-Karawane durch den Ort, auf der nicht weniger als 79 Karossen der Bayerischen Motorenwerke in Richtung Eswatini geschaukelt wurden. Bei dieser Fracht handelte es sich um allradgetriebene BMW X3, die hierzulande zu einem Preis von rund 40 000 Euro den Besitzer wechseln – und um Limousinen der 5-er Reihe, die fast das Doppelte kosten. Die stattliche Anzahl der Autos ist für die 13 Frauen und die Mutter des seit 33 Jahren herrschenden Monarchen bestimmt: Die 15 rollenden Royces gehen an Hofstaat und Herrscher. Die bayrischen Jeeps und Limousinen dienen hingegen nur als polizeiliche Begleitvehikel.

Die Aufwertung des Fuhrparks soll die Bevölkerung umgerechnet rund 90 Millionen Euro gekostet haben: eine "völkermörderische Verschwendung", so der Sprecher der verbotenen Kommunistischen Partei, Pius Vilakati.

Zwei Drittel der Bürger haben nicht mal 1,25 Dollar am Tag

Denn die letzte absolutistische Monarchie Afrikas gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Fast zwei Drittel der 1,3 Millionen Swasiländer müssen mit weniger als 1,25 US-Dollar am Tag auskommen. Mit seinen zwei Privatflugzeugen, den Luxuskarossen und königlichen Residenzen wird das Vermögen des Monarchen von Forbes auf 200 Millionen Dollar geschätzt. Um diesen extravaganten Lebensstil finanzieren zu können, schlittert Eswatini immer näher auf einen Staatsbankrott zu: Die Renten mussten eingefroren werden, trotz einer Inflationsrate von fünf Prozent wurden die Gehälter der öffentlichen Angestellten vor vier Jahren eingefroren, das Gesundheitssystem ist fast vollständig zusammengebrochen.

Als Studierende und Staatsbedienstete aus Protest gegen die allgemeine Verarmung und die königliche Verschwendung vergangene Woche auf die Straße gingen, wurden sie von der Polizei mit Gummigeschossen, Wasserwerfern und Tränengas auseinandergetrieben, zahlreiche Demonstranten landeten hinter Gittern. Ein "schamloser König" zeige seinem Volk "den Mittelfinger", entsetzte sich Wandile Dludlu, Generalsekretär der ebenfalls verbotenen Oppositionspartei Pudemo: "Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns gegen dieses üble Regime zu erheben, das uns in ewiger Knechtschaft halten will." Bislang endete allerdings noch jede Protestwelle mit verstärkter Repression: Derzeit sind fast 20 Pudemo-Mitglieder vor Gericht des "Terrorismus" angeklagt.