Wie im Großen, so im Kleinen

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 29. Mai 2020

Müllheim

Wie Markgräfler Modellbahn-Bastler mit der Corona-Situation umgehen – zum Beispiel mit Mund-Nasen-Schutz für die Mini-Fahrgäste.

(BZ). Die Corona-Krise bringt für manch einen vermehrte Freizeit durch Kurzarbeit mit sich. Wohl dem, der dann ein Hobby hat, für das er die gewonnene Freizeit nutzen kann. Zum Beispiel mit einer Modelleisenbahn – ein recht zeitintensives Hobby, bei dem man sich über zusätzliche Stunden besonders freut. So nutzen natürlich auch die Modellbahner, die der Gruppierung "N‘ler im Dreiländereck" angehören, und deren Kopf, Wolfgang Faller, in Müllheim wohnt, ihre Zeit zum Basteln.

Da gibt es Landschaften, die neu ausgestaltet werden wollen, oder Häuschen, die bald an der Bahnstrecke stehen sollen. Im April hätten sich eigentlich alle N‘ler zu einem gemeinsamen Fahrtreffen zusammenfinden wollen, was jedoch die Coronaverordnung zunichte machte. Die kreativen Modellbahner wichen kurzerhand auf die Whatsapp-Gruppe aus, in der jeder seine neuesten Bastelarbeiten auf Fotos präsentierte. Auch der monatliche Stammtisch wurde coronabedingt nicht persönlich, sondern als Videochat abgehalten. Dafür hatte der ein oder andere vor dem Bildschirm einen kleinen Schienenkreis aufgebaut, auf dem ein Mini-Zug im Kreis fuhr, um wenigstens ein kleines bisschen Eisenbahnatmosphäre zu verbreiten, während man über Neuheiten der Modellbahnwelt fachsimpelte.

Einer der Modellbahner, Ulrich Geiger, hatte nun die Idee, seinen Wartenden am Bahnhof einen Mund-Nasen-Schutz zu verpassen, so wie das die Coronavorschriften an Haltestellen und im Personennahverkehr derzeit verlangen. In Spur N, das ist der Maßstab 1:160, sind die Männchen gerade einmal 11 Millimeter groß, das Gesicht nicht einmal 2 Millimeter. Zum Vergleich: Ein Cent-Stück ist immerhin 16 Millimeter groß.

Mit Vorstecklupe auf der Brille gelang es dem Bastler, mit weißer Farbe die Maske aufzumalen. Auf das Malen der Befestigungsschnüre hat er jedoch verzichtet: "Selbst, wenn der Strich nur einen Viertelmillimeter breit wäre, entspräche das im Original einer Breite von 4 Zentimetern. Solche Schnüre trägt kein Mensch."

Trieb ihn die Langeweile zu dieser Malaktion, oder wie kam er darauf? "Einer aus der Modellbahngruppe schrieb in die Whatsapp-Gruppe, dass man doch dran denken solle, dass ab dem nächsten Tag Maskenpflicht im Nahverkehr bestehe. Und ein anderer fragte spaßeshalber nach, ob das für die Modellbahn-Männchen auch gelte. Da kam ich auf die Idee, das im Modell umzusetzen", berichtet Ulrich Geiger.

Die Modellmännchen müssen sich also mit unifarbenen Masken zufriedengeben, während der Bastler selbst stolz den Mund-Nasenschutz präsentiert, den ihm seine Frau Jutta passend zum Hobby genäht hat. Auf ihm sind mittig eine alte Dampflok und drumherum allerlei Eisenbahnutensilien abgebildet.