Kreative Lösungen

Wie kann Weihnachten im Jahr der Corona-Pandemie aussehen?

Sigrun Rehm

Von Sigrun Rehm

Do, 19. November 2020 um 13:22 Uhr

Südwest

"Ausfallen muss Weihnachten auf keinen Fall": Die Erzdiözese Freiburg hat die Plattform Weihnachten 2020 entwickelt. Dort sollen Ideen und Inspirationen für ein gelungenes Fest geteilt werden.

BZ: Viele Menschen treibt die Frage um, ob Weihnachten dieses Jahr ausfallen muss. Was sagen Sie, Herr Aldinger?
Aldinger: Ausfallen muss Weihnachten auf keinen Fall, es findet statt und wird gefeiert. Wir als Kirchen wollen das Signal senden, dass die hoffnungsvolle Botschaft von Weihnachten auch und gerade in diesen Zeiten gilt. Hierbei müssen wir etwas kreativer sein als in anderen Jahren.

BZ: Sie haben auf der Webseite des Erzbistums unter ebfr.de/weihnachten2020 eine Plattform eingerichtet, um Ideen zu teilen. Wie kam es dazu?
Aldinger: Wir haben schon an Ostern gemerkt, dass ein großer Erfindungsreichtum in den Gemeinden vor Ort liegt. Auf der Plattform können Gemeinden, Gruppen und Initiativen sich vernetzen und gegenseitig inspirieren. Das kommt gut an. Wir merken, dass die heiße Phase beginnt, in der Menschen schauen, was dieses Jahr an Adventsfeiern, Krippenspielen und Festgottesdiensten möglich ist.

BZ: Die oft bis auf den letzten Platz besetzten Weihnachtsgottesdienste wird es so nicht geben. Was sind Alternativen?
Aldinger: Da gibt es eine große Bandbreite. Sie reicht von den großen Messen mit Hygienekonzept und viel weniger Teilnehmern als sonst über Gottesdienste im Freien, im Wald, unterwegs, an ungewohnten Plätzen in der Stadt, bis hin zu Online-Andachten, die man zuhause mitfeiern kann und Hausgottesdiensten. Wichtig ist: Niemand, der einen Weihnachtsgottesdienst besuchen möchte, sollte ausgeschlossen sein. Lieder singen, die Weihnachtsgeschichte hören, ein Gebet sprechen – auch das ist Gottesdienst.
Zur Person

Tobias Aldinger (41) ist Referent für Glaubenskommunikation und das diözesane Bonifatiuswerk im Erzbistum Freiburg.

BZ: Das Singen hat für viele im Advent und an Weihnachten einen hohen Stellenwert. Doch gerade dabei werden die Aerosole transportiert, die das Coronavirus übertragen können …
Aldinger: … deshalb wird es Gemeindegesang nicht geben. Doch Musik muss möglich sein, schließlich geht durch sie die Weihnachtsbotschaft unter die Haut, auch bei Menschen, die sonst nicht in die Kirche gehen. Es gibt die Möglichkeit, Solisten auftreten zu lassen, Instrumentalmusiker und kleine Chöre mit bis zu acht Leuten – übrigens eine gute Gelegenheit, Musikern eine Bühne zu geben, die unter den Einschränkungen besonders leiden. Bei all dem ist mitklatschen, summen, stampfen denkbar. Und bei privaten Treffen im Freien mit Abstand darf auch laut gesungen werden.

Geschwisterpaar kann Maria und Josef spielen

BZ: Zudem haben Sie die Video-Klang-Collage "Oh du fröhliche" initiiert?
Aldinger: Bei diesem Projekt von diözesanem Bonifatiuswerk, Pueri Cantores und Badischem Chorverband können alle mitmachen, die gern singen. Die Teilnehmer filmen sich mit dem Smartphone, wie sie "Oh du fröhliche" singen und schicken es ein. Auf http://www.ebfr.de/singmit erklären wir, wie es geht. Daraus entsteht eine Collage, die am 24. Dezember um 16 Uhr bei der diözesanen Krippenfeier an verschiedenen Orten gezeigt wird und im Netz gestreamt werden kann.

BZ: Wie sieht es mit Krippenspielen aus?
Aldinger: Denkbar ist ein Art Stehspiel, bei dem die Kinder mit Abstand im Raum verteilt stehen, oder Maria und Josef mit einem Geschwisterpaar zu besetzen. In Donaueschingen entsteht ein Mitmachkrippenspiel. Dabei wird die Weihnachtsgeschichte erzählt und die Gemeinde ist immer wieder aufgerufen, gemeinsam nach oben zum Stern zu schauen oder mit den Füßen zu stampfen, wenn die Hirten Richtung Bethlehem gehen. Corona zum Trotz soll es das größte Krippenspiel werden, das die Stadt je gesehen hat.
Tipps von Vorquarantäne bis Winterpicknick

Um die Ansteckungsgefahr an Weihnachten zu reduzieren, rät der Virologe Christian Drosten zu einer sogenannten Vorquarantäne. Wer sich vor einem Familienbesuch freiwillig isoliere, könne das gemeinsame Weihnachtsfest risikoärmer gestalten, sagte er in einem Interview mit der Zeit. Optimal sei eine Dauer von einer Woche. Doch auch dann ist laut Drosten das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen gefragt: "Menschen müssen Risiken in einer Pandemie ein Stück weit selbst abwägen. Es gibt keine totale Sicherheit, es bleiben immer Restrisiken." Am sichersten ist es, wenn man sich im Freien und mit Abstand trifft. So kann eine Feuerschale im Garten, in der es heimelig knistert, diesmal zum weihnachtlichen Treffpunkt mit den Nachbarn werden. Großfamilien können sich in der Mitte zwischen den Wohnorten der einzelnen Familienmitglieder zu einem langen Spaziergang mit Glühwein oder Punsch in der Thermoskanne und vielleicht sogar Christstollen und Stockbrot am Lagerfeuer treffen. Andreas Westerfellhaus, Pflegebeauftragter der Bundesregierung, schlug in Bild ein "Weihnachten im Schichtsystem" vor, um das Fest so zu entzerren. "Man kann auch mal am 28. Dezember oder sogar später Bescherung machen", meinte er. Doch was wäre Weihnachten ohne Mutters köstliche Zimtsterne, Hildabrötle und Nussecken? Wenn sie ihren erwachsenen Kindern die Rezepte zur Verfügung stellt, können alle eine Sorte backen und jeweils eine Portion davon an die anderen Familienmitglieder per Post schicken. Genießen lassen sich die Plätzchen dann bei einem Videoanruf samt einem gemeinsamen Weihnachtslied.