"Wie lange soll das noch gutgehen?"

sgm

Von sgm

Di, 16. Juli 2019

Jugendfußball

29 Fußball-Jugendteams zogen sich zurück: Sportrichter Werner Bolte aus Lörrach mahnt und kündigt seinen Rückzug für 2021 an.

DOGERN (sgm). Charmanter als Werner Bolte schafft es keiner, den Fußball-Vereinen am Jugendbezirkstag die Leviten zu lesen. In Dogern hatte der Sportrichter aus Lörrach wieder einige Daten und Fakten unter die anwesenden Vertreter zu bringen, es waren nicht nur gute Nachrichtend dabei, im Gegenteil.

Weit entfernt von Freude über Rekord-Einnahmen rügte Werner Bolte bei der Jahreshauptversammlung die Clubs, bei denen das Geld für Strafen offensichtlich locker sitzt: "2005 zu Beginn meiner Tätigkeit hatte ich 395 Urteile", sagte Bolte. "Nach der Katastrophensaison 2015/16 mit 697 Urteilen glaubte ich, das Schlimmste hinter mir zu haben." Doch "weit gefehlt", konstatierte er. Denn in der vor wenigen Wochen abgelaufenen Saison seien es 710 Urteile mit 25 427 Euro für Strafen und Kosten gewesen, sagte Bolte und schüttelte den Kopf: "Für fehlerhafte Spielberichte wurden über 9 000 Euro bezahlt."

Für über 50 Prozent seien E- und D-Junioren verantwortlich. "Dass ein Verein allein über 600 Euro für 25 derartige Urteile bezahlt, will mir nicht in den Kopf", so Bolte: "Da habt ihr riesigen Nachholbedarf in der Betreuung." Als respektlos empfindet Werner Bolte, der für Rainer Koller den Vorsitz des Bezirkssportgerichts übernommen hat, dass er 25 Urteile für Nichtteilnahme an Pflichtveranstaltungen aussprechen musste.

TuS Binzen an der Spitze der Sünder-Top-Ten

"Unsereins bringt sich während der Saison täglich eineinhalb Stunden für den Sport ein und nimmt an bis zu 15 Sitzungen teil. Allein aus eurem Respekt davor, sollten die angebotenen Veranstaltungen besucht werden."

Große Sorge bereite ihm der freiwillige und wegen mehrfachem Nichtantreten angeordnete Rückzug von insgesamt 29 Mannschaften: "Allein 16 Teams entfallen auf A- und B-Junioren. Wie lange soll das noch gutgehen?", fragte Bolte rhetorisch: Bald gebe es "nur noch eine Handvoll Vereine, aus denen Spieler zu den Aktiven wechseln", mahnte er. Zudem habe er 97 Urteile für Verzicht oder Nichtantreten aussprechen müssen. Da sei "jedes Wort zuviel".

Die Zahl der Platzverweise ist zwar erfreulicherweise von 84 auf 77 zurückgegangen. Allerdings wurden die Sünder in der Summe für 217 Spiele gesperrt. Vor Jahresfrist waren es 207.

Schmunzeln in den Reihen löste der Sprung des TuS Binzen mit 36 Urteilen von Rang zehn an die Spitze der Sünder-Top-Ten aus. Der TuS Lörrach-Stetten, Spitzenreiter 2018, fiel auf Rang fünf zurück: "Die ersten Zehn verursachten ein Drittel der Strafen und zahlten 7 659 Euro", sagte Bolte, der für 2021 seine Demission ankündigte: "Dann bin ich 70 – und ich denke, dann reicht es auch."