Review

Wie war's bei ... Feine Sahne Fischfilet in der Sick Arena?

Jannis Jäger

Von Jannis Jäger

Do, 12. Dezember 2019 um 11:25 Uhr

Der gute Ton (fudder)

Endlich sind sie nach Freiburg gekommen: Am Mittwochabend spielten Feine Sahne Fischfilet ihr Ersatzkonzert für den abgesagten ZMF Gig im August. Ein Auftritt mit Aufreger, Anheizer und Banane – fudder war dabei.

Die Band

"We are Feine Sahne Fischfilet. We make Punk with trumpets and we come from East Germany. And we hope we'll have a big party." Besser und charmanter als Sänger Monchi im Intro des Musikvideos zu dem Song "Alles auf Rausch" kann man es nicht ausdrücken. Die sechs Jungs aus Mecklenburg-Vorpommern machen Musik mit Wut, Hingabe und immer vor dem Hintergrund einer klaren Botschaft. Es ist schneller, harter Punk-Rock dem die beiden Trompeten einen wunderbaren Ska-Kick verpassen.

Und das zu Texten, die alles andere als inhaltsleer sind. Die Band rüttelt auf, treibt an. Sie behandeln die schönen und manch traurige Seiten des Lebens und machen sich gleichzeitig zum Anwalt einer antifaschistischen Agenda. Feine Sahne Fischfilet sind der Brennpunkt einer politisierten Jugend und – was manchmal vergessen wird – sie machen auch sehr gute Musik.

Die Crowd

Das Publikum ist an diesem Abend zweigeteilt. In den hinteren Reihen stehen zum Teil Mitfünziger mit Partner und Freunden, die sich rhythmisch zur Musik bewegen und eine eher beobachtende Position eingenommen haben. Je weiter man nach vorne kommt desto wilder geht es zu und desto mehr schrumpft der Altersdurchschnitt. Die Menge wird zu einem wild zuckendem Meer aus Körpern, sie toben und sie tanzen. Wenn jemand auf dem von Schweiß und Bier rutschigen Boden hinfällt, bilden zwei eine behelfsmäßige Rettungsgasse während zwei andere dem Pechvogel wieder auf die Beine helfen. Das ist Punk-Rock!

Der Aufreger

Die Show konnte sich sehen lassen! Aber bis man es einmal dorthin geschafft hat, wo dann die Musik spielt, war es ein hartes Stück Arbeit. Eine halbe Stunde vor Beginn fallen ein oder zwei S-Bahnen der Linie 4 aus, die die Besucher zum Konzert transportieren sollten. Entsprechend gedrängt geht es dann in der einen Bahn zu, die irgendwann dann doch kommt.

Hat man es dann in die Halle geschafft: Feueralarm. Alle müssen wieder raus. Das ist ungünstig für diejenigen, die bereits ihre Jacken an der Garderobe abgegeben haben. Bei knackigen Temperaturen harren sie aus, bis die Ordner die Halle wieder frei geben.

Im nächsten Moment allerdings werden die, mit denen man eben noch Mitleid hatte, fast beneidet. Denn nun wollen hunderte Besucher gleichzeitig ihre Winterjacken bei einer Handvoll Damen an der Garderobe abgeben. Hat man es dann endlich vor die Bühne geschafft, nimmt man einen kühlen Schluck, denkt sich "Puh" und wird umgehend entschädigt, wenn die Show beginnt.

Die Show

Das Spektakel braucht keine Vorlaufzeit. Der Vorhang fällt und es geht sofort in die Vollen. Mit "Zurück in unserer Stadt" und "Alles auf Rausch" kommen zwei Hits, die den Adrenalinspiegel hochpeitschen. Es wird gepogt und getanzt, gesprungen und gelacht. Dort setzen zwei Jungs zum Crowdsurfing an, dort umarmen sich zwei, nachdem sie sich gegenseitig umgerannt hatten. Und auf der Bühne hält Monchi ein Bengalo in die Luft.

Es ist ein wunderschönes Schauspiel, mit Energie, Message und Witz. "Die Ossis haben euch Bananen mitgebracht," lacht Monchi, während seine Kollegen eine riesige, aufblasbare Banane auf die Bühne tragen, um sich auf ihr ins Getümmel zu stürzen. Die Leute können hier alles raus lassen, raus brüllen, stampfen oder Arm in Arm mit Fremden die Texte mitsingen. Zornig sein auf Politiker und Nazis, dann wieder feiern und vielleicht eins der Biere fangen, die von der Bühne in die Menge fliegen. Das ist Katharsis und das gibt Kraft.