Politik und Pizza

Wie war’s beim …politischen Speeddating für junge Wähler in Umkirch?

Elena Hunn

Von Elena Hunn

Mo, 15. April 2019 um 14:42 Uhr

Umkirch

Mit ihrem Format "Politik und Pizza" will die Landeszentrale für politische Bildung jungen Menschen lokale Politik näher bringen – so auch bei einer Veranstaltung in Umkirch.

Seit 2013 dürfen Jugendliche in Baden-Württemberg schon mit 16 Jahren an der Kommunalwahl teilnehmen. Mit ihrem interaktiven Format "Politik und Pizza" wendet sich die Landeszentrale für politische Bildung deshalb an junge Wähler, um ihnen vor den anstehenden Kommunalwahlen lokale Politik näher zu bringen, und bietet die Möglichkeit, mit Mitgliedern des Gemeinderats ins Gespräch zu kommen – so auch jüngst bei einer Veranstaltung in Umkirch.

Die Teilnehmer
Elf von 14 Gemeinderäten sowie 19 Jugendliche zählte Bürgermeister Walter Laub erfreut und sprach in seiner Begrüßungsrede von einer "spannenden Zeit" vor Kommunal- und Europawahlen. Im Vorfeld hatte das Jugendzentrum (JuZe) 200 Einladungen an alle 14- bis 18-jährigen Einwohner der Gemeinde geschickt. Sowohl Erstwähler, als auch interessierte Jugendliche, die noch nicht wahlberechtigt waren, nahmen das Angebot an.

Das Programm
Den Einstieg machten die beiden Moderatorinnen Ines Ayed und Melissa Bernhardt von der Landeszentrale für politische Bildung mit einem theoretischen Teil über das Wahlverfahren und die unterschiedlichen Möglichkeiten der Stimmabgabe, dem Kumulieren und dem Panaschieren. Anschließend konnten Ratsmitglieder und Jugendliche selbst aktiv werden. Bei einem Ratespiel wurden auf einer Leinwand Stück für Stück Symbolbilder freigelegt, die für Aufgabenbereiche des Gemeinderats stehen, so beispielsweise der Bereich "Bauen". Hatte eines der vier Teams aus Jugendlichen und Gemeinderäten das Bild erraten, galt es, so schnell wie möglich auf einen Buzzer zu drücken, um die Runde zu gewinnen. In den Kleingruppen ging es weiter mit einem Schaubild zu den verschiedenen Organen einer Gemeinde und ihren Abhängigkeiten untereinander. Hier war das Ziel, die Teile des Schaubilds in die richtige Anordnung zu puzzeln – was selbst manches Ratsmitglied auf die Probe stellte. Nachdem die amtierenden Gemeinderäte sich näher vorgestellt hatten, gab es für die Jugendlichen bei einem "Speeddating" die Möglichkeit, anhand von Leitfragen mit ihnen ins Gespräch zu kommen – wobei endlich die lang ersehnte Pizza ihren Auftritt hatte.

Pizza und Austausch
Mit einem Stück Pizza in der Hand redete es sich gleich doppelt so gut. So sprachen Jugendliche und Ratsmitglieder darüber, welche Themen im Rat aktuell sind und was für Jugendliche getan wird. Besonders interessierten einige Jugendliche die Fragen nach den Kosten eines neuen Fußballplatzes und einer Komplettsanierung des Schwimmbades. Die Gemeinderäte entschlüsselten dafür die jährlichen Investitionen der Gemeinde.

Die Wahrnehmung des Abends
Die Ratsmitglieder zeigten sich begeistert von der Veranstaltung. "Zur Wahl 2014 hatten wir auch ein Programm für Jugendliche, doch dieses Mal war es viel erfolgreicher", lobte Bürgermeister Laub die Leiter des Juze. Auch Hannah Heinz-Reuter, Sozialarbeiterin des Juze, freute sich sichtlich über den gelungenen Abend. Durch die Beteiligung des Juze seien Jugendliche angesprochen worden, die das Angebot von sich aus nicht wahrgenommen hätten. "Es kostet Überwindung, allein zu einer Podiumsdiskussion oder einem Infostand zu gehen. Bei ’Politik und Pizza’ können die Jugendlichen mit ihren Freunden kommen. Sie nähern sich dem Thema Politik, ohne sich aus ihrer Komfortzone begeben zu müssen – die Pizza ist natürlich auch verlockend."

Das Fazit der Moderatorinnen
Ines Ayed und Melissa Bernhardt waren zufrieden. "Dieses Jahr sind wir nicht nur an Gymnasien unterwegs, sondern haben vermehrt Anfragen von Gemeinschaftsschulen." Das Programm ist beliebt: So viele Gemeinden im ländlichen Raum wie nie zuvor haben es gebucht. Laut Ayeb hängt die soziale Durchmischung und die Zahl der Anwesenden wesentlich davon ab, wie der Kooperationspartner – in der Regel das Jugendzentrum – Werbung macht. Wichtig ist den beiden Moderatorinnen vor allem eins: die Angst vor dem Wählen abzubauen, denn: "Als Nicht-Wähler wird die Hürde zu wählen größer, je älter man wird."