Wieler: Impfquote zu niedrig

afp, dpa

Von afp & dpa

Do, 09. September 2021

Deutschland

RKI-Chef warnt vor Überlastung des Gesundheitssystems im Herbst / Aktionswoche geplant.

(dpa/AFP). Ohne deutlich mehr Impfungen droht aus Sicht von Bundesregierung und Robert-Koch-Institut (RKI) ein heftiger Verlauf der vierten Corona-Welle im Herbst. Eine bundesweite Aktionswoche soll der ins Stocken geratenen Impfkampagne neuen Schwung verleihen.

"Jede einzelne Impfentscheidung entscheidet auch darüber, wie sicher wir gemeinsam durch Herbst und Winter kommen", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch in Berlin. RKI-Chef Lothar Wieler warnte: "Wenn wir die aktuellen Impfquoten nicht drastisch steigern, dann kann die aktuelle vierte Welle im Herbst einen fulminanten Verlauf nehmen."

Auf Intensivstationen werden laut Spahn und Wieler momentan vor allem nicht geimpfte Menschen wegen Covid-19 behandelt. "Es geht darum, dass das Gesundheitswesen nicht überlastet wird", sagte Spahn. Die Zahl der Ungeimpften sei zu groß. Auf diesem Stand könne nicht sichergestellt werden, dass es nicht wieder zu einer sehr starken Be- oder Überlastung komme. Je mehr Menschen sich impfen ließen, desto weniger schlimm verlaufe die vierte Welle und desto früher sei die Pandemie beendet, betonte Wieler. "Es liegt in unseren eigenen Händen, viele schwere Verläufe und auch Todesfälle zu verhindern."

Bei der von Bund und Ländern angeschobenen Aktionswoche solle in der kommenden Woche eine "gemeinsame Kraftanstrengung" für mehr Impfungen unternommen werden, kündigte Spahn an. Es fehle noch immer an der "einfachen Gelegenheit" zum Impfen, sagte er und nannte Spiel- und Sportplätze, Fußgängerzonen und Einkaufsgeschäfte.

66 Prozent der Gesamtbevölkerung sind mindestens einmal geimpft, 61,7 Prozent haben vollen Impfschutz (Stand 8. September).

In den letzten Monaten habe sich ein "wirklich großartiger Erfolg der Impfung" gezeigt, sagte Wieler. Laut Schätzungen des RKI seien durch Impfungen zwischen Januar und Juli etwa 77 000 Krankenhausaufenthalte, rund 20 000 Fälle auf Intensivstationen und mehr als 38 000 Todesfälle verhindert worden. Schätzungsweise hätten Impfungen in dem Zeitraum über 700 000 Infektionsfälle vermieden.

Spahn und Wieler begründeten die Impfaufrufe auch damit, dass es für Kinder unter zwölf Jahren keinen zugelassenen Impfstoff gibt. "Es ist unser aller Verpflichtung, dafür Sorge zu tragen, dass diese Kinder möglichst nicht infiziert werden." Impfen sei eine freie Entscheidung – und solle dies auch bleiben, betonte Spahn. "Aber es ist eben auch eine Entscheidung, die andere betrifft."

Bei den Über-12-Jährigen liege die Impfquote derzeit bei knapp 75 Prozent, erläuterte Spahn. Bei den Über-60-Jährigen werde eine Quote von über 90 Prozent angestrebt, bei den 12- bis 59-Jährigen von 75 Prozent. Nötig seien dafür noch mindestens fünf Millionen Impfungen. In dieser Größenordnung sei es dann unwahrscheinlich, dass die Intensivstationen noch einmal ans Limit kämen, so dass es dann die Aussicht "auf einen sicheren Herbst und Winter" gäbe, sagte der Gesundheitsminister .