"Wir möchten beide"

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Sa, 13. März 2021

Neues für Kinder

BZ-INTERVIEW mit der Astronautin Suzanna Randall, die sich wünscht, bald ins All aufbrechen zu können.

Dieses Jahr soll die erste deutsche Astronautin für zwei Wochen zur internationalen Raumstation ISS fliegen. Suzanna Randall wird gerade dafür ausgebildet. Über ihren großen Traum und das Training hat sie mit BZ-Autorin Marion Klötzer gesprochen.

BZ: Frau Randall, im Internet haben sie zufällig eine Anzeige entdeckt: Astronautin gesucht! Warum haben Sie sich beworben?
Randall:
Ich will Astronautin werden, seitdem ich denken kann. Die Erde von oben sehen, schwerelos im Weltall schweben – das stelle ich mir wahnsinnig spannend vor.

BZ: Welche Tests haben Sie gemacht?
Randall: Die Auswahl hat ein ganzes Jahr gedauert. Wir mussten erst am Computer Tests in Physik, Englisch, Technik, Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnis bestehen. Danach wurde geschaut, wie gut wir mit anderen Leuten zusammenarbeiten und ob wir auch bei Stress cool bleiben können. Am Ende wurden wir von vielen Ärzten untersucht, ob wir gesund sind.

BZ: Was trainieren Sie gerade?
Randall: Wir sind zwei Astronautinnen im Team, Insa Thiele-Eich und ich, und wir trainieren alles Mögliche: kleine Flugzeuge fliegen, tauchen, bei Parabelflügen die Schwerelosigkeit kennenlernen, in einer Zentrifuge erleben, wie sich ein Raketenstart anfühlt. Als Nächstes werden wir in eine Höhle gehen und dort einige Tage abgeschnitten von der Außenwelt leben. Aber wir müssen auch viel lernen: wie eine Rakete fliegt, oder woher die Luft auf der Raumstation kommt.

BZ: Was will diese Mission erforschen?
Randall: Wir möchten herausfinden, wie sich die Schwerelosigkeit im Weltall auf unseren Körper auswirkt – dafür mussten wir auch lernen, uns selbst Blut abzunehmen!

BZ: Wie sieht so ein Tag auf der Raumstation aus?
Randall: Ein Tag auf der ISS ist komplett durchgetaktet: acht Stunden Schlaf, schnell fertigmachen und frühstücken, und dann den ganzen Tag wissenschaftliche Experimente ausführen. Abends hat das Team etwas Freizeit, in der sie zusammen essen, den tollen Blick auf die Erde genießen oder mit der Familie auf der Erde sprechen können. Und jeden Tag stehen zwei Stunden Sport auf dem Plan, damit der Körper in der Schwerelosigkeit nicht zu schwach wird!

BZ: Nur eine Frau kann dieses Jahr ins Weltall fliegen. Wären Sie sehr enttäuscht, wenn es nicht klappt?
Randall:
Natürlich möchten wir beide in den Weltraum fliegen! Aber für uns ist das Wichtigste, dass überhaupt eine von uns fliegt. Wir sind ein Team, die andere ist dann auf jeden Fall in Gedanken dabei. ________

Suzanna Randall
wurde 1979 in Köln geboren und ist Astrophysikerin. Sie forscht über Sterne und arbeitet in Chile mit den größten Teleskopen der Welt.