Krippe im Ulmer Münster

Wir müssen mehr denken und erklären

Wolfgang Reiffer

Von Wolfgang Reiffer (Ihringen)

Sa, 17. Oktober 2020

Leserbriefe

Zu: "Krippe ohne schwarzen König", Agenturbeitrag (Politik, 8. Oktober)
Dass die Krippe verbannt werden soll, ist nicht in Ordnung. Die Argumentation zeigt, wie unser Denken von dem bestimmt ist, was heute opportun erscheint. Der schwarze König wird als rassistische Äußerung gesehen. Andere Lesart: Mit der Anwesenheit des schwarzen Königs wird gezeigt, dass alle damals bekannten Kontinente an der Krippe versammelt sind. Er wäre Ausdruck für die Universalität der Religion. Rassistisch wäre es, ihn wegzulassen, weil er schwarz ist. Dass die Gemeinde "auch einer möglichen Debatte während der Feiertage vorgreifen" möchte, zeigt, dass wir zu (denk-)faul geworden sind, um Dinge zu erklären. Das erinnert an überwunden geglaubte Zeiten, in denen das Nichtgewünschte vernichtet wurde. Heute machen wir es genauso: Was uns missfällt, entfernen wir aus dem Blick und glauben, damit wäre es weg. Wir müssen mehr denken und erklären.Wolfgang Reiffer, Ihringen