Unabhängigkeit

WIR MÜSSEN REDEN: Alles zensiert, oder was?

Manuela Müller

Von Manuela Müller

Sa, 29. August 2020

Wir müssen reden

Der Phantasie mancher Leserinnen und Leser sind keine Grenzen gesetzt. Vor allem dann, wenn es darum geht, wer vermeintlich die Berichterstattung der Badischen Zeitung bestimmt. Mal wird das Innenministerium dahinter vermutet, der Redaktion zu diktieren, was zu schreiben wäre, mal eine heimliche Zensurbehörde oder der Regierungssprecher Steffen Seibert persönlich. Andere Leser sind sich sicher, dass wir vom US-amerikanischen Fernsehsender CNN abkupfern.

Ich kann Ihnen versichern: Nichts davon entspricht der Wahrheit. Welche Themen in der BZ veröffentlicht werden, das entscheidet einzig und allein die Redaktion. Aus den zahlreichen Informationen, die wir über Nachrichtenagenturen, Korrespondenten, Pressemitteilungen und andere Quellen erhalten, wird in (auch mal hitzigen) Diskussionen in der täglichen Redaktionskonferenz ausgewählt. Besprochen wird, was in welchem Umfang und von welchem Autor in die Zeitung des nächsten Tages kommen soll. Die Kolleginnen und Kollegen bringen dabei ihr Fachwissen ein – wobei der Chefredakteur das letzte Wort hat.

Die Vorstellung, dass im dichten Redaktionsalltag noch eine übergeordnete Instanz Zeit für eine zensierende Kontrolle in Anspruch nehmen würde, hat mit der Realität nichts zu tun. Zudem offenbaren solche Befürchtungen ein unzutreffendes Bild von einer freien Presse, wie sie hierzulande gesetzlich festgeschrieben ist. Im Landespressegesetz von Baden-Württemberg steht zum Beispiel in Paragraf 1: "Sondermaßnahmen jeder Art, die die Pressefreiheit beeinträchtigen, sind verboten." Dem ist nichts hinzuzufügen.