Kinderbetreuung

Wir sind dankbar, verständnisvolle Arbeitgeber zu haben

Colbjørn Schäfer

Von Colbjørn Schäfer (Freiburg)

Di, 28. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Die neue Unsicherheit", Beitrag von Laetitia Bürckholdt (Politik, 16. Juli)
Vielen Dank für diesen so zutreffenden Artikel – Sie sprechen uns aus der Seele. Wir erleben diese Woche mit unserer Familie genau diese Situation: Der Jüngste (zwei Jahre) hat Schnupfen, der große Bruder (vier Jahre) ist kerngesund. Im Ergebnis blieben gestern beide Kinder daheim. In Zeiten vor Corona wäre, wenn überhaupt, nur der Jüngere für einen Tag nicht in der Kita gewesen.

Ein Corona-Test, nur um über jeden Zweifel erhaben die Kinder schicken zu können, würde nach Aussage unserer Kinderarztpraxis bis zum vorliegenden Testergebnis (ein bis zwei Tage) eine Quarantäne für alle Familienmitglieder bedeuten, also auch gesunde Elternteile. Unsere Rettung jetzt war nur, dass ich selbst mir "glücklicherweise" ebenfalls die laufende Nase eingefangen und mich daher ebenfalls krankgemeldet habe. Normalerweise wäre mir ein Arbeiten im Homeoffice problemlos möglich gewesen – nicht jedoch mit zwei kleinen Kindern zu Hause, das wissen alle Eltern aus der Erfahrung der letzten Monate.

Wir sind dankbar, dass meine Frau und ich verständnisvolle Arbeitgeber haben. Das Problem ist dadurch aber nicht gelöst. Denn wenn man in die Bedrängnis gerät, die im Winterhalbjahr allwöchentlich üblichen Kinderinfekte mitzunehmen, sind Familien nicht nur gesundheitlich angeschlagen, sondern auch vom Betreuungssystem (eine wichtige Errungenschaft) plötzlich im Stich gelassen. Wie lange soll das noch so gutgehen? Bei allem Verständnis für die Schutzmaßnahmen infolge der Corona-Pandemie: Die aktuelle Entwicklung zu einer Hochsicherheitsgesellschaft zur Verhinderung jeglicher Infektion kann nicht der Weg sein.

Noch dazu die Fokussierung auf die "gefährlichen" Kinder, wo doch die letzten Infektionsherde – ob regional (Autohaus) oder anderswo (Schlachthof) – regelmäßig in andere Bereiche fallen. In diesem Sinn schließe ich mich Ihrem Appell an und hoffe, dass politisch noch familien- und kindgerechtere Lösungen gefunden werden. Colbjørn Schäfer, Freiburg