"Wir wollen spielen, weil wir ganz viele neue Leute haben"

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Do, 27. August 2020

American Football

Im September beginnt für die Offenburg Miners die Ersatzsaison in der Football-Bezirksliga, in der sich vier Teams messen / Zwei Heimspiele in Offenburg-Bühl.

. Eine richtige Runde mit allem drum und dran, also mit Auf- und Abstiegskampf kann es in diesem Jahr im American Football nicht geben. Aber immerhin eine Ersatzsaison mit reduziertem Programm. Darüber sind die Offenburg Miners recht froh, die in der Bezirksliga immerhin vier Begegnungen bestreiten können. "Wir wollen spielen, weil wir ganz viele neue Leute haben. Deshalb sehen wir diese Saison als Vorbereitung auf die kommenden Runde", sagt Peter Aukthun. Der 46-Jährige aus Schwanau-Allmannsweier ist seit Anfang des Jahres sportlicher Leiter bei den Footballern. Er hatte die Miners, die im Sommer 2015 nach Offenburg umzogen, im Jahr 2007 in Lahr gegründet.

Der American Football und Cheerleading Verband Baden-Württemberg (AFV) wollte seinen Vereinen die Möglichkeit geben, das physisch sehr anspruchsvolle Spiel zu spielen, solange es die vom Verlauf der Pandemie bestimmten Rahmenbedingungen zulassen. Deswegen wurden alle Teams befragt, ob sie Interesse an einer Runde hätten, und zu einem Onlinemeeting eingeladen. Für Aukthun und die Miners war der Fall klar: "Es bringt nichts, jetzt andere Vereine zu suchen und Freundschaftsspiele zu bestreiten, dann machen wir lieber etwas Organisiertes, wenn eh vier Mannschaften an der Runde teilnehmen."

Dann legte das AFV-Präsidium die Eckpunkte für die neue Saison 2020 fest: Die Runde, die im Normalfall von April bis August läuft, findet nun im September und Oktober statt. Der Betrieb einer Liga kann dann laufen, wenn die Mehrheit ihrer Teams zustimmt. Die Partien haben eher freundschaftlichen Charakter, sofern man dies bei der Natur des Sports überhaupt sagen kann. Deshalb erfolgt keine Bestrafung, wenn Teams nicht spielen möchten oder sich zurückziehen. Der Abstieg ist für diese Ersatzsaison ausgesetzt, den siegreichen Teams wird nahegelegt, auf den Aufstieg zu verzichten.

Nun bietet der Football in Baden-Württemberg kein einheitliches Bild. Während die Oberliga sowie die Kreisligen A und B keine Saison austragen, weil es hierfür bei den betroffenen Teams keine Mehrheiten gab, finden die Miners einen etwas geschrumpften Spielplan in der Bezirksliga vor: mit vier statt sechs Teams. Nachdem die Mannschaften aus Albstadt und Kuchen dankend abgewunken hatten, bekommen es die Offenburger nun mit den Black Forest Foxes aus Freudenstadt, den Konstanz Pirates und den Ludwigsburg Bulldogs zu tun. Gegen die Füchse bestreiten die Miners Hin-und Rückspiel, auf dem Plan steht ein Auswärtsspiel in Ludwigsburg und ein Besuch der Piraten vom Bodensee in Offenburg. "Zwei Auswärtsspiele – das ist kostentechnisch einfacher als eine volle Saison. Eine Busfahrt kostet immerhin 850 bis 1000 Euro", sagt der Sportchef.

Zumindest zahlenmäßig steht der Kader gut da: 60 Spieler sind gemeldet. Im Winter haben ein paar erfahrene Recken aufgehört, doch die Tryouts haben sich gelohnt. "Da haben wir jede Woche zwei neue Leute bekommen", so Aukthun. "Wir haben so richtig davon profitiert, dass die Fußballsaison abgebrochen und das Sportangebot heruntergefahren wurde."

Headcoach ist nach wie vor Maurizio Nici, der aus dem Raum Speyer kommt. Er bringt aus der Pfalz zudem ein halbes Dutzend Spieler mit. Sechs Köpfe zählt das Trainerteam, Aukthun fungiert als Athletiktrainer. Diese Position bekleidet er auch bei den Bundesliga-Fußballerinnen des SC Sand. Zum Verein gehören auch die mittlerweile 20 Cheerleader, die im kommenden Jahr auch an Wettkämpfen teilnehmen wollen.

Ihre beiden Heimspiele tragen die Minenarbeiter auf dem Sportplatz in Offenburg-Bühl aus. Trainiert wird aber weiterhin im Schaible-Stadion. Naturgemäß gibt es ein paar Vorgaben. Der Eintritt ist nur nach vorheriger Registrierung vor Ort möglich. Am Eingang gibt es ein buntes Einlassbändchen wie beim Konzert. Es sind maximal 500 Zuschauer erlaubt. Aber im Football werden, anders als im Fußball, Spieler und Betreuer nicht mitgerechnet. Hier greift demnach eine großzügige Regelung, die die Miners bestimmt nicht in Verlegenheit bringt. Es ist nicht davon auszugehen, dass diese Höchstzahl überschritten werden könnte. Der sportliche Leiter zählt ein paar Regeln auf: "Hinter der Teamzone sollen keine Zuschauer stehen. Alle Spieler in der Zone haben einen Mund-Nasen-Schutz auf – mit Ausnahme eines Trainers, der mit den Spielern auf dem Feld kommuniziert. Jeder Footballer hat seine eigene Wasserflasche." Für Aukthun kein Problem: "Das kann man händeln, wenn sich jeder anstrengt:"