Miteinander

Wird auf kommende Pandemien so reagiert wie jetzt, wäre die Welt ruiniert

Ulf Stein (St. Peter)

Von Ulf Stein (St. Peter)

Sa, 10. Oktober 2020

Leserbriefe

Zu: "Fake News können tödlich sein", Essay von Bernhard Pörksen (Kultur, 17. September)
Wenn ich Nachrichten in Radio oder Fernsehen erlebe, Artikel wie "Fake News können tödlich sein" oder auch einige Leserbriefe dieser Zeitung lese, habe ich den Eindruck, das Coronavirus sei ein Monster, das jeden Infizierten tödlich bedroht. Unter dieser Angst, die weitgehend über die Medien vermittelt wird, wächst die Intoleranz im Volk gegen diejenigen, die eine andere Beurteilung dieses ganzen Infektionsgeschehens haben. Demokratisches Verhalten, das auch die Meinungen und Überzeugungen der anderen zulässt, geht größtenteils verloren. Die Mehrheit wird als "richtig handelnd" verstanden und die Minderheit mit ihren nicht passenden Ansichten verunglimpft.

In Ihrem Artikel werden die Menschen mit Gegenansichten zur Mehrheit gelinde gesagt sehr unqualifiziert als "Abwiegler", "Bullshitter" und als "Corona-Leugner" bezeichnet. Ein Ernstnehmen oder mindestens ein Lebenlassen der gegenteiligen Meinungen wird als "Pseudotoleranz" deklassiert. Diese Haltung ist allerdings tödlich, und zwar tödlich für unsere Demokratie. Wir kennen aus unserer eigenen Geschichte leider genügend fehlgelenkte Mehrheiten.

Tatsache ist, dass es schwerere Pandemien gibt, als die jetzige: Die Pockenpandemien früherer Jahrhunderte waren weitaus gefährlicher als die Corona-Pandemie. Bei der jetzigen Pandemie lassen sich sehr wohl auch andere Reaktionen von Regierungsseite vorstellen, die augenblicklich wegen der außerordentlichen globalen Angst vor diesem Virus kaum durchführbar wären. Man muss sie aber in Betracht ziehen, wenn – wie sehr wahrscheinlich – in den nächsten Jahren Pandemien auftreten werden mit ähnlichen oder noch schwereren Verläufen als derzeit, da etwa 80 Prozent der Infizierten kaum etwas bemerkt.

Würden diese ebenso gesteuert wie die jetzige, wäre die ganze Welt wirtschaftlich ruiniert. Wahrscheinlich würde über Hungerprobleme unter anderem die Weltbevölkerung reduziert und das vorwiegend in der sogenannten Dritten Welt, in der schon jetzt Hunderttausende wegen der strikten Maßnahmen gegen das Coronavirus sterben, meist verhungern. Ich selbst kenne die verheerende Situation in den Slums von Howrah-Kalkutta und von Nairobi. Ulf Stein, St. Peter