BZ-Interview

Manche Volkswirte halten Eurorettungspolitik für einen Fehler - warum?

Hannes Koch

Von Hannes Koch

Mo, 09. März 2015

Wirtschaft

BZ-INTERVIEW mit dem Volkswirt Heiner Flassbeck über die aus seiner Sicht verfehlte Eurorettungspolitik und die positiven Seiten von Staatsschulden.

BERLIN. Deutschland sei mit Schuld daran, dass es anderen Eurostaaten wie Griechenland und Frankreich schlecht geht – findet der Ökonom Heiner Flassbeck. Der Exporterfolg made in Germany gehe auf Kosten der anderen, meint er im Gespräch mit Hannes Koch. Gar nichts hält er vom Plan der Bundesregierung, jetzt privates Geld für öffentliche Investitionen mobilisieren zu wollen.

BZ: Herr Flassbeck, das europäische Hilfsprogramm für Griechenland ist im Grundsatz verlängert worden. Italien und Spanien verzeichnen wieder Wirtschaftswachstum. Und Frankreich verordnet sich ein Reformprogramm. Ist Europa endlich auf dem Weg der Erholung?
Flassbeck: Ich kann das nicht sehen. Die griechische Wirtschaft schrumpft ja weiter, der Staat braucht nach wie vor Geld von außen. Italiens Wirtschaftsleistung ging 2014 zurück, im ersten Quartal dieses Jahres wird sie vielleicht minimal steigen. Spanien stagniert, dort gibt es lediglich eine leichte Belebung in der Bauwirtschaft. Und das französische Reformprogramm ist ein Witz. Es hat keinen Sinn, die Ladenöffnungszeiten zu verlängern, weil man in Frankreich sowieso alles zu jeder Zeit kaufen kann.

BZ: Die grundsätzliche Strategie in Europa besteht darin, die Sozialkosten und Löhne zu reduzieren, damit die Unternehmen wieder zusätzliches Personal einstellen und die Steuereinnahmen der Regierungen steigen. Was soll falsch daran sein?
Flassbeck: Schauen Sie sich die Wirklichkeit an. Die gegenteilige Wirkung tritt ein. Die Arbeitslosigkeit in Griechenland und Spanien beträgt um die 25 Prozent – eine Katastrophe. Kein ...

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