Preiserhöhung

Für Kurzentschlossene werden Bahntickets teurer

Bernd Röder/Julia Kilian

Von Bernd Röder/Julia Kilian (dpa)

Di, 17. Oktober 2017

Wirtschaft

Der neue Fahrplan der Bahn kommt Mitte Dezember – und mit ihm höhere Preise. Fernverkehrstickets zum vollen Preis werden teurer, die Sparpreise dagegen nicht.

BERLIN (dpa). Diesmal ändert sich aber auch an den Verbindungen viel. Das liegt vor allem an der Neubaustrecke Berlin–München, für die Fahrgäste einen Extra-Aufschlag zahlen müssen.

Wie viel müssen Bahnkunden
jetzt mehr hinblättern?

Das kommt darauf an, welches Ticket man kauft. Sparpreise sollen weiterhin bei 19,90 Euro anfangen – und nicht teurer werden. Fahrkarten zum vollen Preis – dem sogenannten Flexpreis – werden dagegen im Schnitt um 1,9 Prozent teurer, in der ersten Klasse um 2,9 Prozent. Das trifft all jene, die kurzfristig in den Zug steigen und deswegen nicht vorher einen Fahrschein zum Sparpreis gekauft haben. Die Bahncards 25 und 50, für die es 25 und 50 Prozent Rabatt auf das jeweilige Ticket gibt, kosten so viel wie bisher. Für eine Platzreservierung für die zweite Klasse sind unverändert 4,50 Euro zu zahlen. Die Bahncard 100, mit der häufig Geschäftsleute pauschal alle Züge ein Jahr nutzen können, kostet in der zweiten Klasse 4270 Euro (plus 80 Euro). Die Bahn rechnet all diese Veränderungen zusammen – und kommt auf eine Preiserhöhung im Fernverkehr von durchschnittlich 0,9 Prozent.

Wer zahlt den vollen Preis?
Nach Angaben der Bahn lediglich etwa zehn Prozent aller Fahrgäste. Die anderen 90 Prozent haben entweder eine Bahncard oder kaufen sich ein Ticket im Sonderangebot, das bei der Bahn Sparpreis heißt. Auch 2018 will die Bahn mit Sparpreis-Aktionen locken. Seit Sommer 2016 hat sie 10,5 Millionen solcher verbilligten Tickets auf den Markt geworfen, auch um gegen die Fernbus-Konkurrenz zu bestehen.

Was zahle ich auf meiner Strecke?
Auch hier kommt es darauf an. Die neue Strecke München–Berlin etwa wird deutlich teurer: 150 statt 132 Euro mit dem Flexpreis – ein Plus von 13,6 Prozent. Dafür sind die Züge auch bis zu zwei Stunden schneller. Die Fahrt Hamburg–Berlin soll 81 Euro kosten (plus 2,5 Prozent). Bahnkunden zwischen Karlsruhe und Basel dagegen zahlen nicht mehr – eine Entschädigung dafür, dass die Rheintalbahn nach der Panne beim Tunnelbau in Rastatt wochenlang gesperrt war.

Wie sieht es im Nahverkehr aus?
Der Nahverkehr ist in Deutschland oft in Verkehrsverbünden organisiert, in denen die Bahn ein Anbieter unter anderen ist. Hier kann sie über die Preise nicht allein entscheiden. In den südbadischen Verkehrsverbünden wurden die Preise schon zum 1. August erhöht. Nur der Tarifverbund Ortenau gab bekannt, durch eine Reform der Preisstufen werde die Nutzung um durchschnittlich 3,8 Prozent billiger.

Warum geht es so viel schneller
von München nach Berlin?

Die Strecke wurde für zehn Milliarden Euro über Jahre ausgebaut. Die Sprinterzüge mit nur drei Stopps schaffen die Strecke nun in knapp vier Stunden, mit Tempo 300 durch Thüringen. Die Bahn will so Kunden für sich gewinnen, die dafür normalerweise ins Flugzeug gestiegen wären. "Wir rechnen mit einer Verdopplung unser Fahrgastzahlen auf 3,6 Millionen Reisen pro Jahr", erklärt Bohle.

Darf die Bahn so oft die Preise
erhöhen, wie sie möchte?

Was den Fernverkehr betrifft: Im Prinzip ja. Die Deutsche Bahn AG ist ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen, gehört aber zu 100 Prozent dem Bund. Den Fernverkehr betreibt sie jedoch auf auf eigene Rechnung. Im Wettbewerb mit Privatauto, Fernbus und Flugzeug muss die Bahn allerdings darauf achten, nicht zu teuer zu werden. Sie hat in den vergangenen Jahren viele Kunden an Fernbusanbieter verloren.

Die Bahn hat ein Jahr lang mit

teureren Tickets vor Feiertagen

experimentiert. Was ist daraus

geworden?

Die Idee der Bahn: Gerade vor Feiertagen sollen nicht alle an einem Tag fahren, sondern einige dank des Preisanreizes vielleicht schon früher oder später. Die Bahn will das noch ausbauen. Künftig sollen Tickets an manchen Tagen 4,9 Prozent günstiger oder teurer sein, bisher waren es 2,9 Prozent. Denn am Ostermontag oder am Freitag vor dem Einheitswochenende in diesem Jahr zum Beispiel waren die Fernzüge viel zu voll. Im kommenden Jahr soll es etwa an 60 der 365 Tage Preisabweichungen nach oben und unten geben.

Viele beschweren sich über
die Bahn – warum fahren
trotzdem mehr Menschen mit?

Die Bahn erwartet in diesem Jahr wieder einen Rekord bei den Fahrgastzahlen. Bis September waren es 2,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Es läuft auf 141 bis 142 Millionen Fahrten mit ICE oder Intercitys hinaus. Die Bahn ist zuletzt pünktlicher geworden. Ob sie ihr Ziel für 2017 von höchstens 20 Prozent verspäteter Fernzüge in diesem Jahr erreicht, ist offen. In den vergangenen fünf Monaten hat sie dieses Ziel verfehlt.