WORT IN DEN TAG: Europa jetzt!

Thomas Braunstein

Von Thomas Braunstein

Sa, 09. Mai 2020

Waldkirch

Heute am 9. Mai ist Europatag, ein Tag nach dem 8. Mai, der ein besonders denkwürdiger Tag in unserer Geschichte ist. Dieses Jahr sind 75 Jahre vergangen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Wir kennen genügend Erzählungen unserer (Groß-)Eltern, über 75-jährige können sich selbst noch an Vieles erinnern. Der Zweite Weltkrieg und das brutale Morden in den KZ haben bis heute gravierende Spuren hinterlassen. Es sind Furchen, Gräben, in denen – so seltsam und beschönigend es klingt – etwas zu wachsen begann: Europa! Charles de Gaulle und Konrad Adenauer waren vor mehr als 50 Jahren gemeinsam in der Kathedrale von Reims und nahmen an einer katholischen Messfeier teil; für beide der Schlüsselmoment deutsch-französischer Freundschaft, für uns alle der christliche Grundstein Europa. Aus Feinden werden/wurden Freunde – urchristlich "ein Herz und eine Seele werden". Vor einigen Jahren war ich am D-Day in der Normandie. Dort gab es in einem Museum eine Filmvorführung, an der hochbetagte Kriegsveteranen aus den USA und junge deutsche Soldaten teilnahmen. Ein junger deutscher Soldat, der neben mir stand, beugte sich am Ende der Vorführung zu einem im Rollstuhl sitzenden Kriegsveteranen, gab ihm die Hand und bedankte sich bei ihm für seinen Einsatz für unsere Freiheit. Der Kriegsveteran legte daraufhin freundschaftlich-väterlich seinen Arm um den jungen Soldaten. Beide hatten Tränen in ihren Augen.

Ein genialer Moment, der mich bis heute tief berührt und mich ein glühender Europäer und Weltbürger sein lässt, denn aus Feinden können Freunde werden. Übrigens der Sternenkranz, den Maria ganz oft um ihr Haupt hat, war die Vorlage für den Sternenkranz in der Europafahne, dazu die himmlisch-blaue Farbe, die Marias Gewand hat. Im Straßburger Münster ganz vorne zeugt ein von der EU gestiftetes Glasfenster davon. Dazu passt nicht nur 2020 Beethoven’s "Freude schöner Götterfunken …" – EUROPA!

Der Autor: Thomas Braunstein ist

Pfarrer der Katholischen Seelsorgeeinheit Waldkirch