"Denkmalschutz muss keine Last sein"

Mario Schöneberg

Von Mario Schöneberg

Di, 14. September 2021

Eichstetten

Beim Tag des offenen Denkmals kommen viele Besucher in den Englischen Garten nach Hugstetten und zum Dreiseithof nach Eichstetten.

Der Tag des offenen Denkmals führte zahlreiche Besucher auch in den Englischen Garten nach March-Hugstetten und in den als "Loch Becks" bekannten historischen Dreiseithof mit altem Backofen im Eichstetter Altweg. Bei Führungen und dem Rahmenprogramm konnte Geschichte und auch das Motto "Sein und Schein" hinter der Geschichte hautnah erlebt werden.

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Seit vielen Jahren kümmern sich die Mitglieder des Marcher Heimatvereins gemeinsam mit der Gemeinde um Erhalt und Wiederherstellung des Englischen Gartens oberhalb von Hugstetten. Besonders engagiert sind hier der ehemalige Ortsvorsteher Lothar Fleck und der heutige Parkbeauftragte des Heimatvereins, Armin Keller. Beide führten am Tag des offenen Denkmals die Besucher durch die Anlage; die zwei angesetzten Führungen mussten wegen des großen Andrangs sogar geteilt werden. Der Heimatverein bewirtete, die kleine evangelische Kirche hatte wie auch das Heimatmuseum geöffnet, und zur musikalischen Unterhaltung gab es Harfenklänge von Sabine Wehrle und Liedermacher Benni Feldmann.

"Wie kommt ein damals kleines Dorf Hugstetten mit 500 Einwohnern zu einem Schloss samt Englischem Garten?", fragte Armin Keller in die Runde der staunenden Besucher zu Beginn seiner rund 100-minütigen Führung. Es habe schon ein altes Schloss der Lehnsherrn Stürtzel von Buchheim gegeben, doch deren Linie sei ausgestorben, erklärte Keller. Neu an der Macht in Hugstetten war dann Ende des 18. Jahrhunderts die Familie von Schackmin, 1792 habe Franz Stephan von Schackmin das Erbe des Lehens Buchheim angetreten und bald mit dem Bau des neuen Schlosses begonnen. Die Revolutionskriege erzwangen jedoch bald einen Baustillstand.

Ebenfalls von der Französischen Revolution betroffen war Konrad Friedrich Freiherr von Andlau-Birseck. 1792 griffen französische Revolutionstruppen das Fürstentum Basel an, und Konrad floh vom Familiensitz in Arlesheim nach Freiburg. Dort heiratete er 1798 die Freiherrin Sophie von Schackmin, einziges Kind des Hugstetter Grundherren Franz Stephan. Konrad von Andlau ließ das Schloss in Hugstetten weiter bauen und zog vermutlich, so Keller, 1810 nach Hugstetten. Vollendet war der Bau wohl erst gegen 1830. Mit dem Bau des Schlosses veränderte Konrad auch dessen Umgebung. Er kaufte umliegende Häuser und Höfe und vergrößerte so den Grundbesitz. Hierzu gehörte auch das Gasthaus Zum Rössle am Mühlbach. Als Ersatz wurde außerhalb des Parks das noch existierende Gasthaus Rotes Kreuz erbaut.

Armin Keller und Lothar Fleck wussten auf ihren Touren, bei denen auch private Teile des Parks zu sehen waren, einiges zur weiteren Geschichte des Schlosses und des Englischen Gartens bis hin zur Wiederentdeckung in den 1980er Jahren zu berichten, auch zu den ursprünglich sehr wichtigen Sichtachsen in alle Richtungen, die nun aber oftmals durch hohe Bäume und Sträucher zugewachsen sind. Einzig vom Belvedere, wo früher auch ein Turm stand, lässt sich die einstige tolle Aussicht noch erahnen. Und das im früheren Gärtnerhaus Ende des 19. Jahrhunderts für kurze Zeit die erste Mädchenschule Badens untergebracht war, war für viele Besucher eine Überraschung.

Eichstetten

In Eichstetten hatte Christiane Möller ihr Anwesen im Altweg für Besucher geöffnet. Der historische Dreiseithof beherbergte zeitweilig eine jüdische Bäckerei und später einen Laden. Dazu kamen Wohnungen, Stallungen und ein Schopf. Seit 2005 saniert die neue Eigentümerin das einst verfallene Ensemble, der schon mal entwidmete Denkmalschutz kam so für die Sachgesamtheit zurück. Den neueren Teil bewohnt Möller selbst, der ehemalige Laden ist als Wohnhaus vermietet.

"Ich mache beim Tag des offenen Denkmals mit, um zu zeigen, Denkmalschutz muss keine Last sein", betonte Christiane Möller. "Man kann gut darin leben". Zum Motto "Sein und Schein" hatte sie viele kleine Details parat, wo manches alt aussieht, aber doch modern ist. Oder sie zeigte Stellen, an denen sie alte Materialien neu aufgearbeitet und wiederverwendet hat.

Der älteste Teil des Anwesens, von dem noch eine Bruchsteinwand existiert, stand schon 1741. Als Nachweis hierfür dienen 1740 geschlagene Holzbalken. Was aber genau bis etwa 1850 auf dem Grundstück ablief, weiß die heutige Eigentümerin nicht. Verbrieft ist eine jüdische Bäckerei, 1896 kaufte der christliche Bäcker Jakob Schmidt das Anwesen und baute es von 1898 an aus. Herzstück der bis etwa 1940 betriebenen Bäckerei ist ein großer Backofen, den Christiane Möller demnächst ebenso wie die Scheunen sanieren möchte. Sie sei sich nicht sicher gewesen, ob der Ofen mal zusammengefallen sei, sagte die Besitzerin, doch nach der Lektüre eines Fachbuchs zum Backofenbau von 1840 sei ihr klar geworden, dass er perfekt sei.

Groß war auch die Freude, als am Sonntag ein Eichstetter Handwerker eine alte Waage, die erstmals 1920 geeicht wurde, zurückbrachte. Sie hatte er einst von der letzten Ladenbesitzerin Emma Schmidt geschenkt bekommen.