Umwelt-AG leistet saubere Arbeit

Ulrike Gau

Von Ulrike Gau

Do, 25. Juli 2019

Zell im Wiesental

An der Gerhard-Jung-Grundschule Zell haben Schüler eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, um die Natur zu schützen.

ZELL/SCHÖNAU. Rund 28 Kilogramm Müll und Unrat haben Viertklässler am Dienstag bei einer freiwilligen Aktion in Zell eingesammelt. Das besondere daran: Die Initiative geht zurück auf eine Idee der Umwelt-AG, die von Schülern selbst gegründet worden ist. 70 Schülerinnen und Schüler der Gerhard-Jung-Schule beteiligten sich mit Lehrern und Eltern an der Aktion.

So kam es zur Gründung der Umwelt-AG: Im Winter haben sich die Schülerinnen Sophia Agortin (elf Jahre) und Jana Kiefer (zehn) der Klasse 4b in einer Religionsstunde mit der Schöpfungsgeschichte beschäftigt. Im Kontrast dazu gab es Bilder von verschmutzten Stränden, sterbenden Wäldern, verseuchten Flüssen und anderes mehr zu sehen. "Ich habe diese Bilder einfach nicht anschauen können und rief in die Klasse, dass es so nicht weitergehen kann", erzählt Jana.

So erging es auch Sophia, und der Stein kam ins Rollen. Gemeinsam führten sie Gespräche mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern, um sie für ihre Idee zu gewinnen. Darüber hinaus gestalteten sie in ihrer Freizeit Plakate und sammelten, zusammen mit ihren Eltern und Freundinnen, an den Ufern der Wiese im Februar Müll. Unterstützung fanden sie bei ihren Lehrerinnen und Lehrern sowie bei der Schulrektorin Renate Maier, die nach eigener Aussage schon immer ein "grünes Herz" hat. Meistens, berichteten die Mädchen, stießen sie auf Interesse ihrer Schüler sowie auf deren Willen, sich für den Umweltschutz und damit für eine bessere Welt einzusetzen. Anfangs wurden sie aber auch mit negativen Reaktionen konfrontiert. So warfen zum Beispiel Mitschüler provozierend ihren Müll direkt neben die schuleigenen Papierkörbe und machten sich über die Mädchen lustig.

Doch dies veränderte sich mit der Zeit. Am Dienstag machten schließlich zirka 70 Schüler der ersten vier Grundschulklassen in Zell mit und stießen auf 28 Kilogramm Müll. Zu bedenken ist, dass es sich hierbei um unzählige Zigarettenkippen und kleine Plastikteilchen wie Flaschenverschlüsse oder Schokoladenriegelverpackungen handelt, die jede für sich nur wenige Gramm wiegen. In Gruppen sind die Kinder ausgeschwärmt, um an diesem Tag Zell zu einem saubereren Ort zu machen. Sie trugen Garten- oder Plastikhandschuhe, hatten Greifzangen zur Verfügung und sammelten den Unrat in kleinen Mülltüten, die dann zum Abschluss in große Müllsäcke kamen und gewogen wurden.

Weggeworfene Zigarettenkippen und Hundekot auf den Straßen sind auch Björn (zehn Jahre) ein besonderer Dorn im Auge. Schon lange interessiert er sich für alles, was die Umwelt betrifft. Dazu schaut er Dokumentationen im Fernsehen, hört Radionachrichten und liest Zeitungen. "Wie giftig wirklich Zigarettenkippen sind, weiß doch eigentlich niemand", sagte er und fügte hinzu, dass es auch an der Zeit ist, über Billigflüge oder riesige Container- und Kreuzfahrtschiffe nachzudenken. Er teilt die Meinung von Jana und Sophia, dass es so nicht weitergehen kann.

Als Wertschätzung für die Müllsammelaktion spendete Bürgermeister Peter Palme Getränke und ein Einkaufsmarkt Wassermelonen für die Erfrischung der fleißigen Umweltaktivisten. Für ihr außergewöhnliches Engagement wurden Sophia und Jana von ihrer Religions- und Mathematiklehrerin Philomena Degen eine Urkunde überreicht. Beide Mädchen verlassen nun die Grundschule in Richtung Realschule und Gemeinschaftschule in Schönau. Sie haben in den Augen ihrer Lehrer ein großes Zeichen gesetzt. Und es gibt bereits Nachfolgerinnen für die Leitung der Umwelt-AG, erzählen sie. Als nächste Aktion im neuen Schuljahr ist die Installation eines Insektenhotels geplant.

Auch die Gemeinschaftsschüler am Standort Schönau sind nicht untätig: Sie gingen ins Buchenbrändle und in den Schönauer Stadtkern. Zum Auftakt versammelten sie sich im Musiksaal und sangen das Klimalied "Do it now". Nach 90 Minuten Müllsammeln wurden die Abfallsäcke gewogen. Resultat: 78,6 Kilogramm Unrat, Dreck und Verpackungen.