Randalenacht

Zum Recherchieren gehört auch Rechnen

Jürgen Bross

Von Jürgen Bross (Freiburg)

Sa, 24. Oktober 2020

Leserbriefe

Zu: "Erste Anklagen sind erhoben", Beitrag von Axel Habermehl (Politik, 23. September)

Herr Habermehl gibt den Leserinnen und Lesern erfreulich viele, mit Zahlen belegte Informationen. 88 Personen wurden von der Polizei ermittelt, die an den Ausschreitungen beteiligt waren. 45 Haftbefehle erwirkt, 18 in Untersuchungshaft, vier Anklagen durch die Staatsanwaltschaft, 32 Polizisten verletzt, 465 000 Euro Sachschaden, 67 Tatverdächtige polizeibekannt.

Den Leser interessiert, warum es zu der Randale kam. "Auslöser war in jener Nacht die Festnahme eines mutmaßlichen Drogendealers am Eckensee (…) Dutzende solidarisierten sich mit dem jungen Mann." Randalierten und marodierten durch Einkaufsviertel. 32 Polizisten verletzt, 465 000 Euro Sachschaden, 67 Tatverdächtige polizeibekannt.

Was sind wir für eine Gesellschaft geworden, in der die Polizei nur unter schweren Opfern einen Drogendealer aus dem Verkehr ziehen kann? Der Badischen Zeitung gebührt Dank, dass sie diese gesellschaftliche Fehlentwicklung dokumentiert hat. Wer sind diese 88 Tatverdächtigen? Die Lösung dieser Frage gibt uns Landesinnenminister Strobl oder die BZ als eine Rechenaufgabe auf. 88 Personen tatverdächtig, zwei Drittel mit deutscher Staatsangehörigkeit, 88 x 2/3 = 58,6 > 59 Deutsche, davon drei Viertel mit Migrationshintergrund 59 x ¾ = 43,95 > 44 Deutsche + Migrationshintergrund. Wie viele Ausländer (ohne deutschen Pass)? 88-59 = 29. Wie viele Deutsche mit Migrationshintergrund? 44. Wie viele Deutsche ohne Migrationshintergrund? 59-44 = 15 sind tatverdächtig? 15 Deutsche (ohne Migrationshintergrund). Erstaunlich wenig!

Warum wird das verheimlicht? Warum das Zahlengewirr? Zum Recherchieren gehört auch Rechnen. Dazu wünscht sich der Leser Klarheit und Vollständigkeit der Zahlen und Fakten. Jürgen Bross, Freiburg