Sicherheitspolitik

Zur Kriminalitätsbekämpfung gehören Prävention und Sozialarbeit

Christian Hausmann

Von Christian Hausmann (Staufen)

Mi, 17. Februar 2021

Leserbriefe

Zu: "Gros der Bürger will mehr Sicherheit und mehr Polizei", Beitrag von Ronny Gert Bürckholdt (Politik, 4. Januar)

Der Aufmacher und die zugrundeliegende Umfragestatistik, lässt jeden liberal Denkenden zusammenzucken: Wenn das so stimmt, sind die Badener und Württemberger mehrheitlich ein Volk von obrigkeitsstaatlich denkenden Untertanen.

Über die Hälfte wünscht zum Beispiel Einsätze der Bundeswehr im Bereich innerer Sicherheit. Aus guten Gründen, nämlich den Erfahrungen bei den Angriffen auf die Weimarer Demokratie und schließlich deren Untergang, haben die Väter und Mütter des Grundgesetzes dies strikt untersagt. Fast ein Viertel der Befragten will private Bürgerwehren: Dabei sind diese eher ein Teil des Problems, das sie lösen wollen, nämlich die Aufweichung des Gewaltmonopols des Staates. Fast 90 Prozent will mehr Videoüberwachung, deren Nutzen zumindest umstritten ist. Und mehr und besser ausgerüstete Polizisten wollen fast alle.

Alles in allem ist die Zahl der Straftaten in den letzten zehn Jahren nahezu gleich geblieben, eher leicht gefallen. Erklärungsversuche für die Sehnsucht nach mehr Sicherheit weisen auf den Unterschied zwischen dem starken Gefühl von Sicherheit im persönlichen Bereich gegenüber dem öffentlichen hin. Manche meinen auch, der Krimi ab 20.15 Uhr im Fernsehen stärke bei den Zuschauern subjektiv ein Gefühl von Unsicherheit. Zur Umfrage der regionalen Zeitungen muss man allerdings sagen: Wer dumm fragt, bekommt dumme Antworten.

Es ist fragwürdig, dass das mit der Erhebung beauftragte Institut in Allensbach auf die Frage nach Bekämpfung von Straftaten ausschließlich polizeiliche, darunter bürgerliche Freiheiten beschneidende Antworten vorgab, bis hin zur monströsen Suggestion von Bundeswehreinsatz und privaten Bürgerwehren. Man hätte doch auch Antworten vorschlagen können wie verstärkte Sozialarbeit, intensivere Integrationsbemühungen oder bessere Ausstattung der Schulen mit Lehrern und Material. Zur Bekämpfung gehört zuerst die Prävention. Und zuletzt sollte der Kommentator der BZ in der Lage sein, die Widersprüchlichkeiten zu erkennen und zu benennen. Und nicht Stimmungen lediglich zu verstärken. Das ist Stammtisch-Niveau. Man könnte auch sagen: populistisch. Christian Hausmann, Staufen