Zweimal um die ganze Welt

Gerhard Lück

Von Gerhard Lück

Mo, 15. Juli 2019

Kirchzarten

Das Freitag-Abend-Spektakel in Kirchzarten findet erstmals seit zehn Jahren nicht im Innerort statt.

KIRCHZARTEN. Zum ersten Mal in zehn Jahren musste aufgrund der Wettervorhersagen das "Freiburg-Abend-Spektakel" aus der Fußgängerzone Kirchzartens in den wetterfesten Innenhof der Talvogtei verlegt werden. Schweren Herzens hatten Christiane Buch, Martina Kaltenbach und Sabine Paschold vom "Tourismus Dreisamtal" diese Entscheidung getroffen. Doch die Sorge, dass weniger Besucher den Weg in die Schalampi finden würden, war unbegründet. Ein dann doch lauer und trockener Sommerabend lockte mehr als 300 Gäste an, die sich vom "Klapptheater" und der Freiburger Band "Unojah" begeistern ließen. Kulinarisch verwöhnten sie diesmal die Kirchzartener "Hexen".

Martin Prochaska und Thomas Nied vom Figuren-Musik-Theater "Klapptheater" sind in Kirchzarten keine Unbekannten mehr. Diesmal standen sie mit "Boulevard of broken Stars" auf der Bühne und ließen manch vergessenen Star der Musikszene wieder auferstehen.

Beim "Boulevard of brocken Stars" vermischten sich gekonntes Marionettenspiel, Musik, Varieté, Kabarett und Witz zu einer Theaterform. Eingebettet in eine witzige und ruhige Conférence zwischen Mensch und Puppe erweckten die beiden Akteure Charaktere zum Leben und ließen deren Musik erklingen. So nahmen sie Groß und Klein mit auf eine musikalische Reise von Rock‘n Roll bis Flamenco, von Blues bis Tango, glänzend mit Gitarre, Panflöte, Harp und Gesang dargeboten. Die selbstgebauten Puppen präsentieren sich als wahre Kunstwerke, die Rollschuhfahren, Steppen, Jonglieren oder Einrad-Fahren können.

"Einheit in Vielfalt" lautet dann der Flaggenspruch der Freiburger Reggae- und Weltmusikband "Unojah". Um Platz zum Tanzen zu schaffen, räumten sie kurzerhand die ersten drei Bierbankreihen. Dann mixten sie einen bunten Cocktail aus Reggae, Latin, Pop, Hip Hop, Oriental und Weltmusik. Serviert mit spirituellen Texten in vielen Sprachen boten die vier Jungs eine musikalische Hommage an die Vielfalt dieser Welt.

In Zeiten wachsender Fremdenfeindlichkeit zeigten sie, dass eine Mischung aus Unterschieden funktionieren kann. Denn nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Vielfalt entstehe etwas Aufregendes und Neues. Dass ihre Botschaft ankommt, bewies nicht nur ihr Auftritt in Kirchzarten. Sie traten schon an vielen Orten dieser Welt auf und begeisterten gerade erst beim Evangelischen Kirchentag in Dortmund. Wenn das auch mit dem Tanzen in Kirchzarten nicht so ganz klappte – richtig bewegungslos stand keiner im lauschigen Talvogtei-Innenhof bei ihrer Musik.