Rollhockey

Zweitligist RSV Weil hat kurze Schockstarre überwunden

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Do, 15. April 2021 um 12:01 Uhr

Rollhockey

Der RSV Weil musste sich nach dem Lockdown erst ordnen. Der Kapitän ist durchaus zuversichtlich, zumal sich die Jugendarbeit, einst Sorgenkind, positiv entwickelt. Doch bleibt auch Unsicherheit.

Statistisch gesehen blickt der RSV Weil auf eine maximal erfolgreiche Spielzeit zurück. "Wir sind in der Liga ungeschlagen und mit der Saison sehr zufrieden", sagt Felix Furtwängler. Und als wäre das nicht Aussage genug, unterlegt der Kapitän sein Resümee mit dem Timbre der stolz geschwellten Brust. Um auf die letzte Niederlage des Rollhockeyteams in der schweizerischen Nationalliga B zu stoßen, muss man gar 15 Monate zurückgehen. Doch kaum beendet Furtwängler die Lobpreisung, ordnet sein selbstironisches Lachen die Belastbarkeit der Bilanz realistisch ein. Weil gewann beide NLB-Partien, ehe die Runde im Oktober unter- und im März abgebrochen wurde.

Furtwängler, 28, vereint eine wohltuende Lockerheit mit gesunder Reflexion. Nach der Unterbrechung "waren wir katatonisch, ein wenig in Schockstarre". Es brauchte Zeit, sich zu strukturieren, doch ohne die Option, mit Rollschuhen auf die Bahn zu gehen, sind den Sportlern grundlegende Elemente entzogen. Daher gilt Eigenverantwortung. "Von Online-Trainings sind wir weit entfernt", sagt Furtwängler. Was nicht heißt, dass sich das Team voneinander entfernt hat. Man kennt sich seit Ewigkeiten, ist befreundet, hält Kontakt, geht zu zweit joggen.

"Wir sind weg vom Sport, weg vom Vereinsleben." Kapitän Felix Furtwängler
Furtwängler vermittelt als Kapitänsfigur ein gutes Gespür für die Stimmungslage. Sportlich wirft den RSV der zweite Saisonabbruch in Folge nicht aus der Bahn. Vielmehr treibt den Kapitän um, "dass wir seit November weg vom Spiel, weg vom Sport, weg vom Vereinsleben sind". Die Distanz, der soziale Verlust lassen ihn zu dem Schluss kommen: "Ich habe derzeit nicht das Gefühl, Teil einer Mannschaft zu sein." Die Pandemie reduziert Teamsportler zu Individualisten.

Und sie kann Prioritäten verschieben oder diesen Prozess beschleunigen. Viele Konstellationen, die einen Abschied aus dem Sport initiieren, sind denkbar. Frank Werner etwa wird zum zweiten Mal Vater. Furtwängler fürchtet nicht, dass sich der Ü30er zurückziehen wird, "er hat noch immer Bock und will spielen". Aber das Beispiel zeigt: Ausschließen lassen sich personelle Verluste nicht. "Das ist die Gefahr, die diese Situation mit sich bringt", sagt der Kapitän, der "niemandem einen Vorwurf machen würde". Ob ihrer schmalen Basis zählen Rollhockeyteams tendenziell zur gefährdeten Spezies. In Weil sind es aktuell 13 bis 14 Aktive. Die Knappheit kann aber auch eine Stärke sein: Sie schweißt zusammen.

Weiler Jugendarbeit entwickelt sich positiv

Furtwängler ist "guter Dinge", was die personelle Zukunft betritt, zumal die Weiler ihr einstiges Sorgenkind aufpäppeln: die Jugendarbeit. Bis zum Herbst-Lockdown "waren wir auf einem guten Weg", bilanziert Furtwängler, "es wurden immer mehr Spieler, sie haben auch untereinander Werbung gemacht". Aktuell sind es etwa 15 Talente zwischen sechs und 14 Jahren, der Kapitän sieht "die Grundbasis in einem guten Prozess, daran müssen wir weiter arbeiten".

Im Lockdown benötigte der RSV auch im Nachwuchs Zeit, um sich zu ordnen. "Vielleicht haben wir einen Tick zu lange gewartet", zeigt sich Furtwängler selbstkritisch. Dann aber nahmen die Bemühungen Fahrt auf, hierbei hebt der Kapitän das Engagement von David Schröder, Sebastian Winkler und Max Bross hervor: wöchentliche Meetings und ein abwechslungsreiches Programm mit sportlichen Herausforderungen oder mal einer Knobel-Challenge. Den Jugendbetrieb will der Schweizer Verband wieder hochfahren, vorrangig über Freundschaftsspiele.

RSV musste Trainingsangebot aus dem Aargau ausschlagen

Für den RSV kommt das kaum in Frage. Seit November ist die Rollsporthalle geschlossen, es bestehen bilaterale Pandemiehürden, deretwegen Weil auch das Angebot des RHC Gipf-Oberfrick, im Aargau zu trainieren, nicht annehmen konnte. Furtwängler selbst musste Aufträge als Schiedsrichter ablehnen. Seit zwei Jahren leitet er Spiele, denn Weil muss als Zweitligist zwei Unparteiische stellen. "Damals hat uns der Verband die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder wir erfüllen das Soll oder wir dürfen nicht mehr spielen." Der RSV hätte nur noch Freundschaftspartien bestreiten dürfen, "das Schiedsrichterproblem hätte sich nicht gelöst, dafür trainierst du für nichts". Es wäre der Beginn einer Negativspirale gewesen, ist er überzeugt: "Aus diesem Loch wären wir nicht mehr rausgekommen. Das wäre unser Todesstoß gewesen."

Derlei akute Sorgen treiben den Weiler Kapitän in der Pandemie nicht um. Doch bleibt die Unsicherheit. Aktuell tendiert Furtwängler zur Annahme, dass sich für den RSV der traditionelle Rundenstart im September nach hinten verschieben dürfte. Der Status der Weiler Unbesiegbarkeit würde sich automatisch verlängern. Was nur ein schwacher Trost wäre.