338 neue Solarmodule auf dem Kurmittelhausdach

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Fr, 23. Juli 2021

Bad Bellingen

Bad Bellingen beteiligt sich am 365-Dächer-Wettbewerbs des Landkreises Lörrach / Beitrag zum Klimaschutz.

. Mit 338 neu installierten Solarmodulen auf dem Dach des Kurmittelhauses leistet die Gemeinde Bad Bellingen einen weiteren Beitrag zum Klimaschutz. Entstanden ist die neue Photovoltaikanlage in einer Partnerschaft der Gemeinde, der Bade- und Kurverwaltung (BuK) und der Genossenschaft Bürgerenergie Dreiländereck. Letztere ist Betreiber der Anlage. Zum gemeinsamen Projekt kam es im Rahmen des 365-Dächer-Wettbewerbs des Landkreises Lörrach.

Mit einer installierten Leistung der PV-Anlage von 96,33 Kilowatt Peak ist pro Jahr mit 46,5 Tonnen eingesparten CO2-Emissionen und einer Energieerzeugung von rund 105 000 Kilowattstunden zu rechen. Die Lebensdauer der Anlage beträgt knapp 30 Jahre. Sie belegt 60 Prozent der Dachfläche des Kurmittelhauses und somit ein Viertel der Dachflächen des Kurbereichs. Was die Dächer des Kurhauses, der Balinea-Thermen und der Saunalandschaft betrifft, müsste dort noch die Statik geprüft werden, erklärt BuK-Geschäftsführer Dennis Schneider: "Es ist noch Potenzial da für die Zukunft."

Der über die neue PV-Anlage erzeugte Strom könnte rein rechnerisch 30 Drei-Personen-Haushalte versorgen. Genutzt wird er zu nahezu 100 Prozent von der Balinea Therme – womit deren Strombedarf noch nicht vollständig abgedeckt ist. Wie Bürgermeister Carsten Vogelpohl ausführte, seien die Dachflächen der Gebäude im Gemeindebesitz bereits mit PV-Anlagen belegt. Bei der Suche nach weiteren PV-Standorten habe man das hierfür gut geeignete Flachdach des Kurmittelhauses gefunden.

Vogelpohl nannte weitere Aktivitäten der Gemeinde Sachen Klimaschutz wie die Beteiligung an der interkommunalen Wärmeplanung des Landkreises Lörrach. Des Weiteren beschloss der Gemeinderat Anfang Juli die Entwicklung eines Quartierskonzepts zur Wärmeenergieversorgung von Gebäuden im Ortskern und im Kurgebiet.

Wie weit der Klimawandel bereits fortgeschritten ist, zeigten die jüngsten Hochwasserkatastrophen. Auch im Kernort Bad Bellingen und im Ortsteil Hertingen gibt es Bereiche, die bei Starkregen gefährdet sind. Umso dringlicher sei die Erschließung klimaneutraler Energiequellen.

Dazu sagte Inga Nietz, Sachgebietsleiterin Klima und Boden im Landratsamt Lörrach, bei der Untersuchung erneuerbarer Energieträger im Landkreis habe man festgestellt, dass lediglich 12 Prozent des Potenzials der Solarenergienutzung genutzt werde. Daher startete der Landkreis den "365-Dächer-Wettbewerb" mit dem Ziel, pro Jahr PV-Anlagen auf 365 Dächern zu installieren. An diesem Wettbewerb beteiligen sich derzeit Bad Bellingen und 16 weitere Gemeinden, zusammen repräsentieren sie rund zwei Drittel der Bevölkerung des Landkreises. Nach einer ersten Laufzeit von zwei Jahren werden die Gemeinden mit dem höchsten Zubau an PV-Dachflächenanlagen und der höchsten installierten Gesamtleistung ausgezeichnet, des Weiteren wird die Gemeinde mit dem größten Zubau an PV-Freiflächenanlagen ermittelt.

Im kommenden Oktober sei die erste feierliche Preisverleihung vorgesehen, kündigte Nietz an und informierte über den Ausbaustand in Sachen Photovoltaik. Rund 76 Megawattstunden seien im Landkreis installiert, davon 2,5 Megawattstunden in Bad Bellingen – noch ohne die neu installierte PV-Anlage.

"Die Anlage rechnet sich für beide Seiten", sagte Martin Völkle, geschäftsführender Vorsitzender der Genossenschaft Bürgerenergie Dreiländereck. Das Einspeisen von Solarstrom ins Netz sei zwar vor zehn Jahren deutlich lukrativer gewesen als heute, führte er aus: "Aber für den Eigenverbrauch lohnt es sich natürlich." Die 2012 gegründete Genossenschaft hat mittlerweile rund 75 PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 3,5 Megawatt Peak installiert, viele davon auf den Dächern öffentlicher Gebäude.

Infos zur Photovoltaik-Initiative des Landkreises unter solar365.eu